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Ulrich Metschies zu Abschaltungen

Kommentar Ulrich Metschies zu Abschaltungen

Natürlich ist es volkswirtschaftlich ein Wahnsinn, wenn alleine die Betreiber alternativer Energieanlagen in Schleswig-Holstein 2015 mehr als 200 Millionen Euro für Strom bekommen, den sie gar nicht geliefert haben – nicht liefern konnten, weil ihre umweltfreundliche Energie vom hoffnungslos überlasteten Stromnetz nicht mehr zu den Verbrauchern transportiert werden konnte.

Doch die beschönigend als „Einspeisemanagement“ bezeichneten Zwangsabschaltungen von Windrädern oder Photovoltaikanlagen sind weit mehr als eine gigantische Verschwendung. Wenn alleine in Schleswig-Holstein eine Menge an Strom, die für eine Großstadt ein Jahr lang reichen würde, buchstäblich weggeworfen wird, dann ist das ein fatales Signal für das Jahrhundertprojekt Energiewende. Es wäre eine internationale Blamage, wenn ein Hightech-Land wie Deutschland nicht in der Lage wäre, die Probleme beim Umstieg von Atomkraft und Kohle auf Wind, Sonne und Biomasse in angemessener Zeit in den Griff zu bekommen.

Natürlich gibt es keinen Königsweg – dazu ist die Gemengelage viel zu kompliziert. Einfach den Ausbau der Erneuerbaren zu drosseln, wie es die Bundesregierung macht, ist viel zu kurz gegriffen. Stattdessen muss endlich der Knoten beim Netzausbau durchschlagen werden. Und: Die Umwandlung von Windkraft in Wärme, Wasserstoff oder Strom für Elektrofahrzeuge muss mit deutlich mehr Energie vorangetrieben werden, als es bislang der Fall ist.

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Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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Entschädigungen für Betreiber
Foto: Weil die Netze den Strom erneuerbarer Energien wie der Windkraft oft nicht aufnehmen können, kam es auch 2015 zu zahlreichen Abschaltungen.

Nachdem Zwangsabschaltungen von Erneuerbare-Energien-Anlagen 2014 allein in Schleswig-Holstein Entschädigungszahlungen von 109 Millionen Euro verursacht hatten, dürften für 2015 mehr als 200 Millionen Euro an die Betreiber von Windkraft-, Photovoltaik- und Biogasanlagen fließen – für Strom, der gar nicht produziert worden ist.

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