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Ulrich Metschies zum Atommüll

Kommentar Ulrich Metschies zum Atommüll

Müll-Trennung ist ein heikles Thema. Vor allem, wenn es darum geht, ein komplettes Atomkraftwerk artgerecht zu zerlegen und Zigtausend Tonnen Schrott sicher zu entsorgen.

Kiel. Für die Anwohner der sieben Deponien im Land, die Umweltminister Robert Habeck für die Lagerung von Akw-Müll ausgeguckt hat, hatte die Atomaufsicht am Donnerstag diese Botschaft parat: Nur zwei Prozent des Abfalls, der bei der Stilllegung kerntechnischer Anlagen anfällt, sind igitt und müssen deshalb strikt unter Kontrolle gehalten werden. 98 Prozent hingegen seien nicht radioaktiv belastet, sondern lediglich emotional, wie es eine Sprecherin des Energiewendeministers am Donnerstag ausdrückte.

Autsch! Diese Äußerung dürfte dem grünen Minister, der doch auf Transparenz und Bürgerbeteiligung so viel Wert legt, bei den Diskussionen mit besorgten Bürgern in Großenaspe, Damsdorf, Tensfeld oder Schönwohld noch kraftvoll um die Ohren fliegen. Gewiss: Die Wahrscheinlichkeit, dass von minimal strahlendem Müll eine Gesundheitsgefährdung ausgeht, ist gering. Doch diese Feststellung kann ebenso wenig beruhigen wie der Becquerel-Vergleich von Akw-Schutt mit Nuss-Nougat-Creme, solange unklar bleibt, warum im Umkreis von Atomstandorten die Leukämie-Rate erhöht ist.

Natürlich will Habeck das Problem Brunsbüttel schnell lösen – auch um in Berlin zu punkten. Doch mit dieser Rasanz riskiert er eine seiner größten Stärken: Glaubwürdigkeit.

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Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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Atomaufsicht
Foto: Strahlenschutz-Leiter Ronny Fix-Faroldi zeigt im Kernkraftwerk Brunsbüttel die Messung von Radioaktivität in Stein. Die Betreiber und das Ministerium für Energiewende demonstrierten hier die Messverfahren für Materialien, die beim Abbau von Akws anfallen und auf Deponien gelagert werden sollen.

Wie gefährlich ist der Schutt, der beim Abriss eines Atomkraftwerkes anfällt? Zum allergrößten Teil überhaupt nicht, sagt das Energieministerium in Kiel. Bei der Stilllegung und Entsorgung kerntechnischer Anlagen in Schleswig-Holstein sind laut Atomaufsicht lediglich rund zwei Prozent der Abfälle radioaktiv belastet.

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