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Ulrich Metschies zum Börsencrash

Kommentar Ulrich Metschies zum Börsencrash

Wenn Börsianer in den vergangenen Jahren feuchte Augen bekamen, dann waren es in der Regel Tränen der Freude, die ihnen die Wangen hinabkullerten. Nachdem die Ausläufer der weltweiten Finanzkrise den Dax 2009 unter die 4000er-Marke geprügelt hatten, ging es bis zum Frühjahr 2015 – von kleinen Korrekturen abgesehen – rasant nach oben.

Angetrieben von der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank, stabiler Weltkonjunktur und satten Unternehmensgewinnen durchbrach der deutsche Leitindex im März sogar die 12000er-Grenze. Für mögliche Risiken – von der Griechenland-Krise bis zum Krieg in der Ukraine – hatten die Anleger keinen rechten Blick. Wenn es so steil nach oben geht, will schließlich jeder dabei sein.

Nun erleben wir den Herdentrieb in entgegengesetzter Richtung. Nachdem wachsende Sorgen um die internationale Wirtschaftsentwicklung eine Achterbahnfahrt eingeleitet hatten, zeigt sich eine brachiale Kurskorrektur, deren Ende nicht absehbar ist.

Dennoch kann von einem Crash nicht die Rede sein. Erstens, weil nach wie vor massenhaft Liquidität im Markt nach Anlagemöglichkeiten sucht – und diese aufgrund der niedrigen Zinsen langfristig nur in Aktien finden wird. Zweitens, weil das Gros der Unternehmen weiterhin solide Gewinne erwirtschaftet. Und drittens, weil die Chinesen im Zweifel genug Finanzreserven besitzen, um ihre Wirtschaft wieder auf Kurs zu bringen. Für Panikverkäufe also besteht kein Grund.

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