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Ulrich Metschies zum Fall Beate Uhse

Kommentar Ulrich Metschies zum Fall Beate Uhse

Kein hinreichender Tatverdacht. Delikte, die verjährt sind. Und schließlich: ein Hauptbelastungszeuge, der nicht glaubwürdig ist. Wenn auch nur ein Teil der Gründe zutrifft, mit denen das Landgericht Kiel die Anklage im Fall Beate Uhse/Sparkasse Flensburg abgeschmettert hat, dann ist das für die Staatsanwaltschaft natürlich eine Ohrfeige allerhöchsten Peinlichkeitsgrades.

Doch auch das Landgericht hat sich in dem Verfahren um mögliche Machenschaften mit Millionenkrediten und Aktienkurs-Manipulationen nicht mit Ruhm bekleckert. Ja, Untreueverfahren gehören zu den schwierigsten und damit auch zeitaufwändigsten Aufgaben einer Wirtschaftsstrafkammer. Doch dass zwischen dem Erheben der Anklage und deren Abschmettern fast dreieinhalb Jahre ins Land gingen, ist für die Kieler Justiz kein Ruhmesblatt. Überlastung durch knappe Personalausstattung und parallele Großverfahren mag man als mildernden Umstand anerkennen. Doch das Verständnis hat Grenzen. Sind Tatbestände vielleicht nur deshalb verjährt, weil das Verfahren Moos angesetzt hat? Diese Frage muss das OLG in Schleswig nun ebenso sorgfältig prüfen wie die Begründung, mit der das Gericht dem Hauptbelastungszeugen jegliche Glaubwürdigkeit abspricht.

Noch ist offen, ob einer der größten Wirtschaftskrimis Schleswig-Holsteins ohne Prozess zu Ende geht. Erst wenn es soweit kommt, wird es für die Staatsanwaltschaft richtig peinlich.

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Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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Ex-Beate-Uhse-Mitarbeiter

Einer der spektakulärsten Wirtschaftskrimis im Norden endet juristisch offenbar im Nichts: Im Fall des mutmaßlichen Millionen-Betruges mit Beate-Uhse-Akien und dem Zusammenbruch der ehemaligen Flensburger Sparkasse hat das Landgericht Kiel die Eröffnung des Haupverfahrens abgelehnt. Mit einer Beschwerde vor dem Oberlandesgericht Schleswig will die Staatsanwaltschaft die Entscheidung kippen.

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