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Ulrich Metschies zum Fehmarnbelt-Tunnel

Kommentar Ulrich Metschies zum Fehmarnbelt-Tunnel

Dass Umfragen die Welt schlauer machen, ist eher selten der Fall. Zumal es kaum welche gibt, die nicht von Akteuren mit Hintersinn in Auftrag gegeben werden. So ist es auch mit der am Freitag veröffentlichten Umfrage zum Dauer-Streitthema Fehmarnbelt-Tunnel.

Ernsthaft: Was soll es uns sagen, dass 46 Prozent der Schleswig-Holsteiner das Jahrhundertprojekt gut finden, 19 Prozent es ablehnen und 36 Prozent keine Meinung haben? Tunnelbefürworter können sagen: Schaut her, eine Mehrheit der Schleswig-Holsteiner will die feste Querung, die Deutschland und Dänemark näher zusammenbringen soll. Mit gleichem Recht können aber die Gegner feststellen, dass mehr als die Hälfte der Menschen im Land den Tunnel ablehnen oder ihn zumindest nicht befürworten. Und das ist ja auch kaum verwunderlich: Warum soll sich ein Bewohner der Westküstenregion mit seinen ganz anderen Sorgen überhaupt für dieses Infrastrukturprojekt interessieren?

 Die Akzeptanz fehlt dem Tunnel genau in der Region, der er nach Überzeugung der Querungs-Fans neuen Schwung verleihen soll, im Kreis Ostholstein nämlich. Den Menschen dort hilft es wenig, wenn sich die Fahrzeit zwischen Hamburg und Kopenhagen um zwei Stunden verkürzt. Doch es kann ihnen schaden, wenn später Güterzüge dicht an besiedeltem Gebiet vorbeirauschen und sich Urlauber genervt von einer Region abwenden, die vom Tourismus lebt. Um diese Menschen mitzunehmen, braucht es mehr als Tunnel-PR.

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Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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