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Ulrich Metschies zum neunten Streik bei der Bahn

Kommentar Ulrich Metschies zum neunten Streik bei der Bahn

Aus dramaturgischer Sicht funktioniert die Arbeitskampfmaschinerie der Lokführergewerkschaft ziemlich mustergültig. Durften Fahrgäste und Güterverkehrskunden sich in der Vergangenheit noch über mehrwöchige Streikverschnaufpausen, gnädige Vorwarnzeiten und eine verlässliche Ankündigung der Arbeitskampfdauer freuen, stellt Bahnstreik Nummer neun ganz neue Anforderungen an die Improvisationskünste von Reisenden, Pendlern und Betrieben. Mit einem kurz vor knapp angekündigten, unbefristeten Streik nach lediglich zehn Tagen Ruhe ist die GDL auf der Arbeitskampf-Eskalationsskala schon ganz schön weit oben angekommen.

Über Unzumutbarkeit, Unverhältnismäßigkeit und Unverantwortlichkeit dieses, eine ganze Republik seit fast einem Jahr quälenden Streiks ist bereits so viel gesagt und geschrieben worden, dass jedes Wort hierzu überflüssig wäre. Doch dieser Streik ist auch aus Sicht der Lokführer unglaublich unklug. Denn mit ihrer Unfähigkeit zum Kompromiss sägen DB-Konzern und GDL-Gewerkschaft an dem Ast, auf dem sie – ihre Beschäftigten und Mitglieder – sitzen. Während sich beide Seiten Monat für Monat über ein einheitliches Tarifwerk und den Vertretungsanspruch der GDL auch für Nichtlokführer zoffen, kehren frustrierte Kunden – Reisende und Unternehmen – der Bahn in Scharen den Rücken. Denn ein Verkehrsmittel, auf das man sich nicht verlassen kann, ist für Mobilitäts- und Transport-Entscheidungen keine echte Alternative.

Gerade in der Logistikbranche ist Zuverlässigkeit ein hohes Gut. Lange hat die Bahn kämpfen müssen, um der Konkurrenz auf der Straße Kunden abzutrotzen. Es wird sehr lange dauern, diese zurückzugewinnen.

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Bahn-Streik
Foto: Die Endlos-Welle von Lokführerstreiks hinterlässt im Norden schmerzhafte Narben. Vor allem die Logistikbranche leidet – und zieht Konsequenzen: Immer mehr Transport-Unternehmen verlagern Lieferungen von der Schiene auf die Straße.

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