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Ulrich Metschies zum sinkenden Ölpreis

Kommentar Ulrich Metschies zum sinkenden Ölpreis

Na, da macht das Autofahren doch wieder Spaß: Weil die Ölpreis-Talfahrt kein Ende findet, dürfte das Tanken noch günstiger werden. So erwartet die Commerzbank in den kommenden Wochen einen Absturz der Spritpreise um 20 Cent. Auch die Betreiber von Ölbrennern können der Heizsaison cool entgegenblicken. Alles gut also?

Kurzfristig ja. Öl ist schließlich noch immer der wichtigste Schmierstoff für die deutsche Wirtschaft. Für Konsumenten und energieintensive Branchen ist das günstige Rohöl ein Geschenk. Mittelfristig jedoch stellt der Ölpreisverfall für die Exportnation Deutschland ein erhebliches Risiko dar. Denn wenn sich wichtige Rohstoffe drastisch und über einen längeren Zeitraum verbilligen, droht der Weltkonjunktur eine Abwärtsspirale. Wirtschaftsschwergewichten wie den USA, aber auch vielen Schwellenländern fehlen die Öleinnahmen in ihrem Außenhandelsgeschäft. Das treibt Sand ins dortige Wirtschaftsgetriebe, wodurch die weltweite Güternachfrage einen Dämpfer erhält. Dadurch schrumpft die Energienachfrage, was wiederum den Ölpreis drückt – ein Teufelskreis könnte die Folge sein.

Viel schädlicher jedoch ist billiges Öl, weil Industrie und Verbraucher ein für den Klimaschutz fatales Signal erhalten: „Leute, Ihr müsst gar nicht so sparsam mit Energie umgehen oder viel Geld in rohstoffschonende Technologie investieren.“ Hoffen wir also, dass der Ölpreis nicht ins Bodenlose fällt.

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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Leitartikel

Deutschlands Autofahrer reiben sich die Augen: Ein Liter Diesel für 99 Cent? Was noch vor einigen Monaten ein Wunschtraum gewesen ist, wurde jetzt zumindest an einigen Tankstellen wahr. Der Ölpreis ist weltweit rapide gesunken, auch gestern ging es an den Rohstoffmärkten mit den Preisen wieder bergab. Und: Es ist sehr wahrscheinlich, dass es noch einige Monate beim günstigen Tanken bleiben wird.

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