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Ulrich Metschies zum verkaufsoffenen Sonntag

Kommentar Ulrich Metschies zum verkaufsoffenen Sonntag

Na endlich, da haben wir sie wieder, die Diskussion um den Tag der Woche, an dem wir uns nach dem Willen der Kirchen um unser Seelenheil und nach dem des Einzelhandels um dessen Umsatz kümmern sollten. Wie heilig muss, wie verkaufsoffen darf der Sonntag sein?

Darüber kann man beherzt streiten. Gelegenheit schafft Käufer, sagt sich der Handel und möchte künftig bundeseinheitlich zehn Sonntage dem Konsum überantworten, statt weiter mit einem Flickenteppich von vier bis acht offenen Sonntagen – je nach Geschmack der Länder – leben zu müssen.

Und überhaupt, ist es nicht fies, wenn Läden sonntags dicht haben, während der Online-Handel niemals schläft? „Wettbewerbsgleichheit in allen Kanälen“ will der Präsident des deutschen Handelsverbandes erreichen. So naiv, wie Josef Sanktjohanser seine Forderung nach mehr offenen Sonntagen begründet, darf ein Handelsfunktionär nicht wirklich sein. Denn „Wettbewerbsgleichheit“ zwischen Zalando und dem Modehändler vor Ort wird es ebenso wenig geben wie zwischen Hochleistungssprinter und Langstreckenläufer. Beide haben ihre Stärken. Nur wenn sie die richtig ausspielen, werden sie erfolgreich sein.

Gelegenheit macht Käufer? Mag sein. Aber längere Öffnungszeiten sind mit Sicherheit nicht die Rettung für den stationären Einzelhandel. Ein überzeugendes Sortiment, Top-Beratung und die Freundlichkeit von Menschen aus Fleisch und Blut – wer das schätzt, kommt auch Montag ins Geschäft.

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Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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