9 ° / 3 ° Regenschauer

Navigation:
Carola Jeschke zur Kampagne "Der echte Norden" - Kontra

Kommentar Carola Jeschke zur Kampagne "Der echte Norden" - Kontra

Man solle die Exotik von Leuchttürmen, Wattenmeer und Backsteinarchitektur nicht unterschätzen, sagte jüngst Andrea Gastager, Geschäftsführerin der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (Tash). Nur: Diese Art von Exotik gibt es auch in Niedersachsen. Und – abzüglich des Wattenmeers – auch in Mecklenburg-Vorpommern. Also was ist denn nun der echte Norden?

Nach einem Sommerurlaub in Dänemark kann man sich an der Grenze beim Anblick des rechthaberischen Slogans schon verwundert die Augen reiben. Echter Norden? War man da nicht gerade schon? Für diejenigen, die meinen, das solle man nicht so bierernst nehmen, zur Erinnerung: Diese groß angelegte Werbekampagne für das Land zwischen den Meeren ist nicht etwa einem Bürger-Ideenwettbewerb entsprungen. Nein, erfahrene Werbeprofis waren hier am Werk. Viel Geld wurde und wird locker gemacht, um dem Rest der Welt zu zeigen, wie wir hier oben so drauf sind. Echt oder echt inhaltsleer?

Schön, dass zwei Jahre nach dem Start wenigstens die Wirtschaft mit ihrer neuen, teuren Dachmarke warm wird, während vielen „echten“ Nordlichtern immer noch nichts dazu einfällt. Auch andere Bundesländer gewinnen keinen Blumentopf mit Slogans wie „Wir stehen früher auf“ (Sachsen-Anhalt) oder „be Berlin“ (Berlin). Aber wir waren mal das „Land der Horizonte“ – bunt, assoziativ, mehrschichtig. Und passten damit gut zum „Glückswachstumsgebiet“, das die Tash erfolgreich mit kantigen, authentischen Bildern bewirbt – jenseits von Rapsfeldern und Schafen. Die wären dann schon eher „echter Norden“: ein hübsches Klischee ohne Aussagekraft.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Carola Jeschke
Lokalredaktion Kiel/SH

Mehr zum Artikel
Tourismus
Foto: Die Plakate sind Teil der Kampagne "Schleswig-Holstein - Der echte Norden", mit dem das Bundesland nicht nur als Tourismusziel, sondern auch als Wirtschaftsstandort angepriesen wird.

Die Landeskampagne „Schleswig-Holstein – der echte Norden“ geht in die zweite Phase: Ab Montag werden an landesweit 600 Standorten einige Vorzeige-Unternehmer plakatiert, darunter die Geschäftsführerin der Kieler Werft „Gebr. Friedrich“, Katrin Birr. Die Regierung hatte die umstrittene Landeswerbung vor zwei Jahren gestartet.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus KN-Kommentare 2/3