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Hans-Jürgen Jensen zum Kirchenasyl

Kommentar Hans-Jürgen Jensen zum Kirchenasyl

Kirchenasyl ist ein hochemotionales Thema. Die Rollen sind klar verteilt. Hier der kalte Staat, der einen jungen Mann aus Syrien zurück ins Ungarn des Victor Orbán schicken will, weil er über diesen Weg nach Europa gekommen ist. Da die mitfühlende evangelische Gemeinde, die dem Traumatisierten Schutz bietet.

Rendsburg. Das mag zwar klischeehaft überladen sein. Dieses Kino für den Kopf funktioniert aber bei vielen Menschen. Verstärkt wird es noch durch Bilder von Flüchtlingen, die sich auf schwankenden Booten aufs Mittelmeer wagen. Oder Menschen, die sich auf schlammigen Pfaden auf der Balkanroute vorwärts gekämpft haben. Haben sie am Ende der gefährlichen Reise nicht ein besseres Leben verdient?

 Die Klischees und Bilder hat auch Rolf-Oliver Schwemer, der Landrat des Kreises Rendsburg-Eckernförde, vor Augen. Sonst ist er liebend gerne als Lautsprecher unterwegs, diesmal schlägt er leisere Töne an. Auch wenn er im Grunde genommen sagen will, dass in den von ihm beschriebenen Fällen der Rechtsstaat an der Nase herumgeführt wird, was ihn als Juristen geradewegs auf die Zinne treiben könnte. In einer Stimmung, in der Rechtspopulisten zu viel Gehör finden, ist Zurückhaltung angebracht. Sonst gibt es womöglich Anfeuerungsrufe aus der falschen Ecke. Das wäre das Letzte, was Schwemers Landkreis bräuchte. Denn hier konnte die Zivilgesellschaft im vergangenen Jahr den Ansturm von Flüchtlingen noch bewältigen und hat die Integration ins Berufsleben als nächste Herausforderung vor sich.

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Hans-Jürgen Jensen
Holsteiner Zeitung

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Landrat
Foto: Spricht Klartext: Landrat Rolf-Oliver Schwemer.

Landrat Rolf-Oliver Schwemer hat die Kirchenasyl-Praxis im Kreis Rendsburg-Eckernförde kritisiert. Es geht um zwei Flüchtlinge aus Somalia und Syrien. Evangelische Gemeinden im Kirchenkreis Altholstein beherbergen sie, obwohl sie nach Dänemark beziehungsweise Ungarn abgeschoben werden müssten.

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