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Heike Stüben zur Versicherung für Flüchtlingskinder

Kommentar Heike Stüben zur Versicherung für Flüchtlingskinder

Ein elfjähriges Mädchen will über seine Mutter mit krankenversichert werden. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Doch keine Geburtsurkunde – keine Krankenversicherung. Mit dieser Gleichung müssen offenbar viele Flüchtlingskinder in Deutschland leben. Ein unfassbarer Zustand.

Und den beteiligten Behörden und Kassen fällt nichts anderes ein als auf die Regelungen zu verweisen, die Verantwortung hin- und herzuschieben und so erst einmal dem eigenen Haus Kosten zu ersparen. Ein Geschacher auf Kosten von Kindern und ihrer Gesundheit. Das ist unerträglich.

 Doch nur auf den Fall Melika zu fokussieren und auf Jobcenter, AOK und Stadt zu schimpfen, würde zu kurz greifen. Das Grundsatzproblem ist auf Bundesebene seit längerem bekannt. Doch die Politik sah keinen Handlungsbedarf. Im schlimmsten Fall müsse eben die Kommune Behandlungskosten übernehmen. Aber bitte erst nachweisen, dass das Kind wirklich behandelt werden muss – und das bei Kindern, die durch Vertreibung, Krieg und Flucht oft traumatisiert sind und schneller Therapie bedürfen.

 Unser Gesundheitssystem leistet viel. Eine gesetzliche Krankenversicherung für Flüchtlingskinder bietet sie nicht. Solange das so ist, bleiben Worte wie Willkommenskultur, Integrations- und Bildungsangebote hohle Phrasen.

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Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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Kiel
Foto: Verloren im Behörden-Dschungel fühlen sich Melika und Maryam Rezai, hier mit ihrer Rechtsanwältin Faeghen Alizadeh-Aghdame.

Die Geschichte der elfjährigen Melika, die seit fünf Monaten vergeblich um eine Krankenversicherung kämpft, hat Empörung, massive Kritik, aber auch eine ungeahnte Hilfsbereitschaft ausgelöst. Der Kinderschutzbund fordert eine Gesundheitskarte für alle Kinder: „Es kann nicht sein, dass Kinder wie Melika Opfer der Bürokratie werden“, kritisiert die Landesvorsitzende Irene Johns.

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