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Jan von Schmidt-Phiseldeck zu den Plänen der Post

Kommentar Jan von Schmidt-Phiseldeck zu den Plänen der Post

Der wochenlange Arbeitskampf hat der Deutschen Post die Bilanz verhagelt und ein Loch von 100 Millionen Euro gerissen. Nun versucht der Konzern mit Macht, erneut an verschiedenen Stellschrauben zu drehen, um seine Aktionäre zufriedenzustellen.

Eine entscheidende Stellschraube sind dabei die Gehaltskosten der 140000 Mitarbeiter: Die Gründung von 49 Regionalgesellschaften mit dem klangvollen Namen DHL Delivery war bereits der erste Schritt. Bis zu 20000 Mitarbeiter sollen dort unter deutlich schlechteren Konditionen als im Mutterkonzern in der Paketzustellung arbeiten. Eine weitere Stellschraube könnte ein Rückzug aus der Sechs-Tage-Zustellung sein, das befürchtet zumindest die Gewerkschaft Verdi. Die Folge: Jeder sechste Briefzusteller würde dann nicht mehr gebraucht.

Während die EU-Postrichtlinie bei der Zustellung „mindestens fünf Arbeitstage pro Woche“ vorgibt, hat der deutsche Gesetzgeber auf diese Mindestvorgabe verzichtet und eine Verordnung erlassen, die der Post als Marktführer im Briefbereich eine werktägliche Lieferung vorschreibt. Diese Vorgabe hat der gelbe Riese in diesen Wochen erneut still und heimlich torpediert – montags bleibt der Briefkasten oftmals wieder einmal leer.

Aus Unternehmenssicht könnte das als Reaktion auf den seit Jahren rückläufigen Briefposteingang verstanden werden. Aus Kundensicht ist so ein Verhalten einfach nur schäbig – und für die Post brandgefährlich: Sie ist schon lange kein Monopolist mehr.

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Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

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Vorstoß der Post
Foto: Für jeden Bezirk ein Fach: In vielen Briefzentren wird sonntags in den kommenden Wochen nur eingeschränkt gearbeitet.

Wer montags seinen Postkasten öffnet, wird bis Mitte September wahrscheinlich keinen Brief vorfinden. Grund dafür ist eine interne Beschäftigten-Info an die Postmitarbeiter mit dem Titel „Sommerflexibilisierung am Montag“.

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