3 ° / -6 ° heiter

Navigation:
Jan von Schmidt-Phiseldeck zum schrumpfenden Filialnetz der Banken

Kommentar Jan von Schmidt-Phiseldeck zum schrumpfenden Filialnetz der Banken

Die Bankenlandschaft in Deutschland bereitet sich weiter auf einen radikalen Systemwechsel vor: Die Zahl der Filialen hat sich in den vergangenen 20 Jahren fast halbiert, die Digitalisierung schreitet unaufhaltsam voran. Dabei versuchen viele Geldinstitute, den Spagat zwischen dem geänderten Nutzungsverhalten ihrer Kunden durch neue und sichere Technik und dem Anspruch an die Vor-Ort-Beratung zu schaffen.

Nun müssen sich die Banken entscheiden: Wollen sie weiterhin Universalbank mit umfassenden Angeboten für Privatkunden und Unternehmen sein – oder setzen sie verstärkt auf ein Geschäftsmodell, das auch weiterhin hohe Renditen verspricht?

Die Deutsche Bank hat jüngst mit ihrer Entscheidung, sich von 200 ihrer noch 750 Filialen zu trennen, ganz klar die Richtung vorgegeben. Man wolle, sagte Co-Chef Jürgen Fitschen, „nicht mehr alles für jeden sein“. Anders ausgedrückt: Der Privatkunde, der die persönliche Betreuung in der Filiale um die Ecke geschätzt hat, steht nicht mehr im Fokus des Interesses – es sei denn, er ist vermögend. Denn: Diese Kundschaft wird auch künftig ihren persönlichen Berater nicht missen wollen. Alle anderen müssen entweder weiter fahren oder auf Online setzen.

Klar ist: Nicht nur die Deutsche Bank, sondern alle Kreditinstitute stehen unter Handlungszwang: Kostendruck und Nullzins-Politik der EZB belasten die Bilanzen. Angesichts der digitalen Revolution könnte das Modell einer filialgestützten Universalbank aber sowieso bald Geschichte sein.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

Veranstaltung in...

Aktuelle
Veranstaltungen
und Tagestipps!

Gewinnspiele

Kostenlos mitmachen
und mit etwas Glück
jetzt gewinnen!

Anzeige
Mehr zum Artikel
Filialsterben der Banken
Foto: Ende März schloss die Spardabank ihre Filiale in der Beselerallee in Kiel. „Die Kunden haben die Filiale kaum zu Beratungen genutzt“, begründet ein Sprecher die Schließung. Bis Ende Mai stehen in der Beselerallee noch SB-Automaten für Kunden wie Niclas Förster, Sarah Nedderhof und Patrick Feilscher (v.l.) zur Verfügung.

Als die Kieler Volksbank vor einem Jahr beschloss, ihre Filiale in Kiel-Friedrichsort zunächst in eine Selbstbedienungsfiliale umzuwandeln, war die Aufregung dort groß. Ortsbeiratsvorsitzender Hans-Meinert Redlin (SPD) befürchtete dadurch gar eine „weitreichende Schwächung des Einkaufsstandortes“. Friedrichsort ist aber nur eines von vielen Beispielen.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr