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Klaus Kramer zur EU-Flüchtlingspolitik

Kommentar Klaus Kramer zur EU-Flüchtlingspolitik

Die erste Auslandsreise führte den neuen Papst vor einem Dreivierteljahr zu den Flüchtlingen nach Lampedusa. In einem dramatischen Appell warb Franziskus für mehr Barmherzigkeit. Der Wohlstand mache die Europäer gefühllos für den „Aufschrei der anderen“, er lasse uns „in Seifenblasen leben“.

Die Mahnung des Papstes ließ die Europäer nicht gänzlich ungerührt. Seitdem sorgen sie wenigstens dafür, dass nicht mehr so viele Afrikaner im Meer ertrinken. Doch der Streit der Krämerseelen, wer wie viele Flüchtlinge aufnehmen soll, geht unvermindert weiter. Und von einer Politik, die etwas an den Ursachen des millionenfachen Flüchtlingselends ändert, ist weiter keine Rede.

Der Mensch, so fuhr Franziskus damals fort, sei orientierungslos geworden. Er kümmere sich nicht um die anderen. Gott aber werde die Menschen danach beurteilen, wie sie die Armseligsten behandeln.

Starke Worte, doch nachhaltige Wirkung haben sie nicht erzeugt. Das wird sich vermutlich auch nicht ändern, solange das Flüchtlingselend unseren Wohlstand nicht gefährdet. Erst wenn tatsächlich Millionen Afrikaner an Italiens Küste landen, wird sich die EU wohl um eine substanzielle Afrikapolitik kümmern.

Man muss für diese Gleichgültigkeit nicht den Kapitalismus verurteilen, wie es der Papst tut. Richtig aber ist: Barmherzigkeit ist keine Regel, nach der die Marktwirtschaft funktioniert. Solange der Rücktritt von Markus Lanz die Nation mehr bewegt als das Elend der Afrikaflüchtlinge, leben wir in Seifenblasen. Bis sie platzen.

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Ein Artikel von
Klaus Kramer
Chefredakteur / Ressortleiter Nachrichten