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Kristian Blasel zu dem brutalen Überfall

Kommentar Kristian Blasel zu dem brutalen Überfall

Es geschah am helllichten Tag. Offenbar ohne persönlichen Anlass, nur weil die Frau Kopftuch trug. Gewalt gegen Ausländer oder Menschen mit fremdländischem Hintergrund hat es leider auch in Kiel immer wieder gegeben. Dass eine Frau jedoch einfach so niedergeschlagen wird, dafür existiert in der jüngeren Geschichte der Stadt kein vergleichbares Beispiel.

Hier zeigt sich eine Form der Brutalität, eine Form des Menschenhasses, die neu ist – und die deshalb nicht allein ein Fall für Polizei und Justiz werden darf.

Wir wissen noch nicht, was genau den Täter angetrieben hat. Aber selbst wenn dieser Mann krank ist: Ganz offensichtlich ist die Stimmungslage gegen „Ausländer“, „Flüchtlinge“ und „Muslime“ mittlerweile so aufgeheizt, dass bestimmte Hemmschwellen nicht mehr existieren. Und genau hier muss die große Mehrheit in der Stadt einschreiten. Es ist richtig, über die vielen Probleme zu diskutieren, die das Mit- und Nebeneinander von Kulturen in Deutschland mit sich bringen. Aber dies alles muss in einer Tonlage geschehen, die nicht Ausgangspunkt für Gewalt werden kann. Wer im Winter die erregten Debatten über mögliche Flüchtlingsunterkünfte in Kiel erlebt hat, weiß, dass dort verbal vereinzelt Grenzen überschritten wurden. Das darf nicht sein.

Umso beeindruckender ist die Reaktion des Opfers: Es hat mit großer Besonnenheit auf die Tat reagiert und sich ungeachtet aller Schmerzen gegen Hass sowie ein Freund-Feind-Denken ausgesprochen. Wenn in Kiel alle so differenziert handeln würden, könnte die Tat ein furchtbarer Einzelfall bleiben.

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Ein Artikel von
Kristian Blasel
Ressortleiter Lokalredaktion/Kiel

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55-Jähriger im Visier
Foto: Die Muslimin Gamze K. wurde brutal überfallen.

Im Kieler Stadtteil Dietrichsdorf ist eine 35-jährige Muslimin, die ein Kopftuch trug, von einem ihr unbekannten männlichen Täter angegriffen, brutal niedergeschlagen und schwer verletzt worden. Die Polizei bestätigte, man ermittele wegen Körperverletzung und habe einen 55-jährigen Kieler unter Tatverdacht .

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