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Kristian Blasel zur Abgaben-Debatte

Kommentar Kristian Blasel zur Abgaben-Debatte

Wer in der Politik eine emotionale Debatte auslösen möchte, liegt mit Vorschlägen zur Steuer- und Familiengesetzgebung goldrichtig. Hier ist die Aufmerksamkeit aller Bürgerinnen und Bürger gewiss, die jede Idee mit der eigenen Biografie abgleichen. Und wenn auch noch von einer Sonderabgabe für Kinderlose gesprochen wird, liegen alle Reizworte auf dem Tisch, die Aufregung garantieren. Klug ist dieses Vorgehen jedoch nicht.

 Denn die Wortwahl des JU-Chefs löst vor allem Verletzungen aus, ohne den individuellen Lebensläufen gerecht zu werden. Nicht jeder Kinderlose ist es freiwillig. Nicht jede Familie, die Kinder großzieht, stabilisiert damit am Ende die Staatsfinanzen.

Im Kern ist die Debatte dennoch wichtig, zumal es um einen schon lange bekannten Sachverhalt geht: Die Geburtenrate in Deutschland ist seit vielen Jahren derart niedrig, dass die Sozialversicherungssysteme spätestens im nächsten Jahrzehnt gehörig unter Druck geraten werden. Eltern haben es durch ihre lückenhaften Erwerbsbiografien seit jeher schwerer, Renten- und Pflegeversicherungsansprüche zu erwerben als Kinderlose. Deshalb gibt es steuerliche Ausgleichsmechanismen und Zusatzbeiträge, die zu Recht niemand in Frage stellt.

Sowohl Eltern als auch Kinderlose werden in Zukunft noch mehr zahlen müssen. Vieles spricht dafür, dabei Familien weniger zu belasten, damit ökonomische Kriterien den Wunsch nach Kindern nicht noch mehr beeinflussen. Es muss in der unausweichlichen Debatte um eine faire Lastenverteilung gehen – und nicht um die Strafe für einen Lebensentwurf.

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Ein Artikel von
Kristian Blasel
Ressortleiter Lokalredaktion/Kiel

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