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Kristian Blasel zur Griechenland-Krise

Kommentar Kristian Blasel zur Griechenland-Krise

Zumindest die Schuldigen sind gefunden. Je mehr Details von den Gesprächen bekannt werden, die am vergangenen Freitag in Brüssel mit der Regierung Tsipras geführt wurden, desto verständlicher wird es, warum der Euro-Gruppe der Kragen geplatzt ist. Die Basis jeder Verhandlungslösung ist ein Mindestmaß an Vertrauen.

Alexis Tsipras und sein Finanzminister Gianis Varoufakis haben mit ihrem Referendums-Alleingang dagegen alles getan, um die Geberländer zu düpieren. Und anders als von der Regierung in Athen dargestellt, sind die Vorschläge aus Brüssel kein perspektivloses Sparpaket, sondern ein Programm mit Augenmaß. Dies brüsk abzulehnen, war ein Affront.

Doch diese Erkenntnis trägt zur Lösung des Gesamtproblems nur wenig bei. Es reicht eben nicht, eine politisch völlig überforderte Amateur-Regierung auflaufen zu lassen. Die Fehler der Tsipras-Regierung müssen im Zweifel alle Europäer ausbaden. Und das gilt auch im Falle eines Ausstiegs Griechenlands aus der Euro-Zone. Denn die Griechen bleiben auch dann in der EU – und haben damit Anspruch auf umfangreiche finanzielle Hilfe. Teuer wird es in jedem Fall.

Immerhin: Mit dem Referendum können die Griechen am Wochenende ihr Schicksal wieder ein bisschen selbst bestimmen. Ein Ja zu Europa würde ihre Regierung, wie immer sie danach aussähe, zur Kompromissbereitschaft zwingen. Ein Nein wäre wohl tatsächlich der Abschied vom Euro mit allen unabsehbaren Folgen. Aber er wäre dann selbst gewählt.

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Kristian Blasel
Ressortleiter Lokalredaktion/Kiel

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