25 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Lutz Timm zum Bestattungsgesetz

Kommentar Lutz Timm zum Bestattungsgesetz

Die Liberalisierung des Bestattungsrechts ist eine ernsthafte Diskussion wert. Dass vor allem Kirchen, Friedhofsgärtner und Bestatter gegen die Initiative der Piraten Front machen, ist verständlich. Für letztere geht es bei landesweit rund 30000 Todesfällen um einen gewaltigen Umsatz – grob geschätzt um mehr als 100 Millionen Euro im Jahr.

 Dieses lukrative Geschäft könnte wegbrechen, wenn jeder die Asche der Hinterbliebenen im Garten verstreuen könnte. Wirtschaftliche Interessen dürfen bei der Reform des Bestattungsrechts aber nicht den Ausschlag geben.

Vielmehr sollte das Gesetz unterschiedliche Werte und Überzeugungen so berücksichtigen, dass die überwiegende Mehrheit der Schleswig-Holsteiner damit leben kann – auch wenn es ungewohnt ist. Schließlich werden die Gräber auf den Friedhöfen schon jetzt weniger, alternative Formen wie Begräbniswälder und Seebestattungen nehmen zu. In einer Zeit, in der Individualismus Konjunktur hat und tradierte Werte an Zustimmung verlieren, müssen auch die Vorschriften angepasst werden. Eine moderate Öffnung des Rechts würde es den Menschen ermöglichen, sich nach ihrem persönlichen Wunsch beerdigen zu lassen – ob nun auf einem Friedhof, auf hoher See oder im eigenen Garten.

Wie immer steckt der Teufel aber im Detail. Viele juristische, bürokratische und praktische Hürden müssen noch überwunden werden, bevor der Landtag guten Gewissens ein Häkchen hinter die Reform machen kann. Die Debatte sollten die Politiker unvoreingenommen führen – nur ihrem Gewissen verpflichtet.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Streit um Bestattungsgesetz
Foto: Jeder trauert anders um Verstorbene, aber es gibt auch Grenzen. Doch wo sollen diese verlaufen? Darüber gehen die Meinungen auseinander.

Im Landeshaus ist ein heftiger Streit über den Versuch einer radikalen Reform des Bestattungsrechts entbrannt. Kirchen, Verbände und Friedhofsgärtner lehnen den Gesetzentwurf der Piraten strikt ab. Wie es mit dem Vorstoß weitergeht, will der Innen- und Rechtsausschuss nach der Sommerpause diskutieren.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus KN-Kommentare 2/3