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Martina Drexler zur Beschlagnahmung des C&A-Gebäudes

Kommentar Martina Drexler zur Beschlagnahmung des C&A-Gebäudes

Ein seit Jahren leerstehendes Kaufhaus zum Notquartier umwandeln – darf eine Stadt das überhaupt? Als sich die Lage in der Nacht zu Sonnabend in Kiel zuspitzte und die Schlafplätze in der Markthalle nicht mehr ausreichten, müssen sich herzerweichende Szenen abgespielt haben.

Schreiende Kinder, weinende Babys und dann noch fünf medizinische Notfälle in der Nacht. Die Frage war daher gar nicht mehr, darf eine Stadt das, sie musste auf die Not der Menschen, die vor ihrer Weiterreise ein Dach über dem Kopf brauchten, reagieren. Das tat sie: schnell, unbürokratisch – eigentlich genauso, wie sich das viele Bürger sonst oft vergeblich vom Staat wünschen. Aber sogleich machten in den sozialen Medien Gerüchte über Enteignungen oder drohenden Beschlagnahmungen von Privathäusern die Runde.

Sicher, es ist eine ungewöhnliche Maßnahme, die es so in der jüngeren Stadtgeschichte noch nicht gegeben hat und die Ängste weckt. Deshalb sollte sie eine Ausnahme für Transitflüchtlinge bleiben. Noch hat die Stadt im Vergleich zu anderen Kommunen das Glück, die Flüchtlinge, die länger im Norden bleiben wollen, in leerstehenden Kasernen und Marine-Gebäuden unterbringen zu können. Die Situation zeigt aber, dass auch Kiel und die vielen unermüdlichen Helfer langsam an ihre Grenzen geraten könnten. Die Beschlagnahme des Gebäudes ist ein Hilfeschrei an die Politik.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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