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Martina Drexler zur erneuten Wende im Fall Uthoff

Kommentar Martina Drexler zur erneuten Wende im Fall Uthoff

Die Nachricht, dass der Kieler Augenarzt Detlef Uthoff den Insolvenzplan zurücknimmt, schlug im Kieler Rathaus gestern ein wie eine Bombe. Denn lange sah es so aus, als könnte die Stadt endlich einen Schlussstrich unter einen Steuerfall ziehen, der bundesweit Negativ-Schlagzeilen ausgelöst hatte.

Kiel. Jetzt ist nur eines klar: Es werden weitere Monate, vielleicht gar Jahre ins Land gehen, bis das Verfahren abgeschlossen ist – und die Stadt wahrscheinlich deutlich weniger Geld bekommt als zuletzt erhofft.

Der normale Steuerzahler zweifelt nach dieser Skandal-Geschichte schon lange an der Steuergerechtigkeit. Wieso lässt unser Steuer- und Rechtssystem es zu, dass nach in den 90er-Jahren geplatzten Immobiliengeschäften die Vollstreckung ausgesetzt und keine Sicherheitsleistung verlangt wird? Finanzbehörden wie Verantwortliche in Stadt und Politik haben wohl auch deshalb die Augen im Fall Uthoff zugemacht, weil sie die Pleite der Augenklinik fürchteten. Der Verkauf rettete die Klinik mit ihren Arbeitsplätzen, wodurch sich die Insolvenzmasse erhöhte. Das ist die einzige gute Nachricht innerhalb des Ringens um eine Lösung. Uthoff war endlich gezwungen, seine Vermögensverhältnisse offen zu legen.

Jetzt aber zerschlägt er die Chance, reinen Tisch zu machen – und nährt damit den Verdacht, dass er sich wieder nur mit legalen Tricks und Finessen aus der Affäre ziehen will. Juristisch mag das angesichts weiterer Steuerschulden nachvollziehbar sein. Den Laien macht der ganze Fall aber nur noch fassungslos.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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Kieler Steuer-Deal
Foto: Der Kieler Augenarzt Detlef Uthoff zieht seinen Insolvenzplan zurück.

Seit Monaten wurde um den Insolvenzplan im Steuerfall Detlef Uthoff gerungen. Am Donnerstag stand die entscheidende Abstimmung der Gläubiger an. Doch am Montag kam die Pressemitteilung, dass der Kieler Augenmediziner den Plan zurücknimmt und ein reguläres Insolvenzverfahren anstrebt. Für die Gläubiger, darunter die Stadt Kiel, eine bittere Pille: Sie müssen jetzt nicht nur mit einer langen Verfahrensdauer rechnen, sondern auch mit deutlich weniger Geld.

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