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Michael Kluth zur Fehmarnbelt-Querung

Kommentar Michael Kluth zur Fehmarnbelt-Querung

Trotz möglicher Enttäuschung in Dänemark: Die Fehmarnbeltquerung kommt mit 40 Prozent der beantragten Summe doch ganz gut weg bei der Förderung von 40 wichtigen Verkehrsvorhaben zwischen Skandinavien und Mittelmeer. Sie zählt für die EU zu den sechs wichtigsten. Gut so. Der Brückenschlag über den Belt ist nämlich zuvörderst ein europäisches Projekt.

Dieser übergreifende Gedanke droht im Ostholsteiner Kleinklein von Bahntrassenführung und Fährbetriebsinteressen und im Paragrafendschungel der Verwaltungsgerichtsbarkeit gerade komplett unterzugehen. Die feste Verbindung zwischen Rødby und Puttgarden, zwischen Lolland und Fehmarn, zwischen Dänemark und Schleswig-Holstein, zwischen Skandinavien und Deutschland, zwischen Nord- und Mitteleuropa manifestiert nicht weniger als die europäische Idee. Hier entsteht eine europäische Magistrale. Sie erschließt nicht nur Regionen und Wirtschaftsräume, sondern sie verbindet Völker. It’s Europe, stupid!

Wir sehen doch gerade fassungslos, wie Europa an seinem südöstlichen Rand am schlechten Willen einer nationalen Regierung zu scheitern droht. Im Norden gibt es nun eine Nation, die guten Willens den Brückenschlag zum Zentralkontinent betreibt. Das Zentrum der Europäischen Union kommt nun den Brückenbauern sogar etwas entgegen. Aber vom Nachbarn Schleswig-Holstein kommt überwiegend lautstarke Rechthaberei und Unwillen. Wo bleibt hier die Begeisterung fürs europäische Zusammenwachsen? Wo bleibt die europäische Überzeugung? Wo die gute Nachbarschaft? Was um Himmels Willen kann Europa denn Besseres passieren, als Brücken zu bauen?

Es gibt noch so ein Beispiel, leider wieder in Schleswig-Holstein. Die Autobahn20. Auch sie eine europäische Magistrale. Sie kann dereinst Stettin mit Straßburg, Rostock mit Rotterdam, Ost- und Westeuropa verbinden. Ein großer Brückenschlag, wirtschaftlich, politisch, menschlich. Kleiner betrachtet, kann die A20 uns Schleswig-Holsteinern endlich eine weiträumige Umfahrung des Nadelöhrs Hamburg bescheren. Aber sie droht an einem trotzigen Kleingeist zu scheitern, dem der Fledermausschutz vor Völkerverständigung geht, und wenn die Fledermäuse endlich gerichtsfest geschützt sind, fällt ihm die nächste bedrohte Tierart ein. Mit geistigen Wachtelkönigen ist Europa nicht zu gewinnen.

Ein anderes, positives Beispiel. Wer schon mal über die Öresundbrücke zwischen Malmö und Kopenhagen, Schweden und Dänemark gefahren ist, erkennt auf einen Blick, wie so eine Brücke einen Raum erschließen kann. Die Städte Malmö und Kopenhagen sind durch sie eine geschlossene Metropole, ein Wirtschafts-, Wissenschafts- und Lebensraum geworden. Sie liegen in zwei unterschiedlichen Ländern – na und? Es ist Europa!

Die Brückenschläge vom Öresund und vom Fehmarnbelt, die Ostseeautobahn – das sind mehr als nur Verkehrsbauwerke. Sie sind kein Selbstzweck. Sie führen an ein höheres Ziel.

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Michael Kluth
Ressortleiter Sportredaktion

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