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Patrick Tiede zu den Verteidigern im NSU-Prozess

Kommentar Patrick Tiede zu den Verteidigern im NSU-Prozess

Platzt jetzt der NSU-Prozess? Oder redet Zschäpe endlich? Oder geht doch alles weiter wie bisher? Nach 219 Verhandlungstagen stehen große Fragen im Raum. Sie sind nicht leicht zu beantworten, doch es gibt eine Tendenz: Alles bleibt beim Alten.

Es ist kaum vorstellbar, dass die Hauptverhandlung demnächst ein abruptes Ende findet. Der Antrag der drei Pflichtverteidiger Heer, Stahl und Sturm auf Entpflichtung war inhaltlich einem Mordprozess dieser Größenordnung nicht angemessen. Nur weil sich Mandantin und Rechtsbeistand anschweigen, ist das Vertrauensverhältnis nicht unwiederbringlich zerrüttet. Nur zur Erinnerung: Andreas Baader hat in den RAF-Prozessen die eigenen Anwälte als „Arschloch“ beschimpft und wurde sie trotzdem nicht los. Der Antrag der Zschäpe-Verteidiger wurde am MOntag vom Vorsitzenden Richter daher wie zu erwarten schnell abgewiesen. Und auch wenn das nicht das letzte Störfeuer dieser Art gewesen sein muss, scheint klar: Stahl, Sturm und Heer drehen hier öffentlichkeitswirksam Runde für Runde im Machtkampf mit ihrer Mandantin. Und die spielt gerne mit. Den Prozess wird das verzögern. Stoppen kann es ihn nicht.

Die Hauptangeklagte steht mittlerweile erkennbar mit dem Rücken zur Wand. Die Strategie des strikten Schweigens, von der eigenen Verteidigung verordnet, ist gescheitert. Eine lange Indizienkette spricht gegen Zschäpe und dafür, dass sie am Ende als verurteilte zehnfache Mörderin den Gerichtssaal verlässt. Deshalb steigt der Druck, den Prozess auf der Zielgeraden wenigstens noch zu skandalisieren. Dabei ist jedes Mittel recht: Seien es Befangenheitsanträge, ein vierter Pflichtverteidiger oder auch mal eine geänderte Sitzordnung. Helfen wird das nicht mehr, schaden vielleicht schon: Das Verhalten vor Gericht lässt durchaus Rückschlüsse auf die Persönlichkeit zu, die in gutachterliche Stellungnahmen einfließen und die letztlich durchaus urteilsrelevant sind. Und nimmt man einmal die Briefe aus der Haft hinzu, ist hier das Bild einer gewieften, uneinsichtigen und prinzipientreuen Angeklagten entstanden, die weiterhin überzeugt und verschlagen im Geiste ihrer toten Mitstreiter Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt agiert. Ist das nicht genau jenes Holz, aus dem eine Terroristin geschnitzt sein muss, die über Jahre eine brutale Mordserie initiiert und gestützt haben könnte? Die Antwort gibt Zschäpe jeden Tag vor Gericht, obwohl sie noch kein Wort gesprochen hat.

Also doch reden? Die Hauptangeklagte hat das zuletzt angedeutet. Doch gewinnen kann sie damit nach Stand der Dinge nichts mehr. Hätte sie entscheidende Dinge zu ihrer Entlastung beizutragen, wären diese längst vor Gericht eingebracht worden. Alles, was jetzt noch kommt, kann die Beweisführung zwar auf zusätzliche Bahnen lenken, doch Zschäpe selbst wird deshalb nicht aus dem Fokus rücken. Zu einer maßgeblichen Entlastung müsste sie wohl komplett auspacken. Sprich: Nicht nur die eigene Rolle beleuchten, sondern Hintergründe und Hintermänner des Terror-Netzwerkes preisgeben. Das scheint derzeit ausgeschlossen.

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Ein Artikel von
Patrick Tiede
Redaktion Lokales Kiel/SH - Landeshaus-Korrespondent

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