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Patrick Tiede zum Zeugnisstreit

Kommentar Patrick Tiede zum Zeugnisstreit

Schulministerin Britta Ernst ist eine Frau der vorsichtigen Schritte und leisen Töne. Das muss kein Nachteil sein, wie das Scheitern der lauthalsen Amtsvorgängerin Wende gezeigt hat. Denn: Der politische Erfolg beruht nicht nur auf fachlicher Initiative, sondern auch auf größtmöglicher Akzeptanz bei Betroffenen und Beteiligten. Und niemand wird in dieser Hinsicht Eltern und Lehrer unterschätzen.

Auch deshalb dürfte die Ministerin mir ihren Vorstellungen zu den Grundschul-Zeugnissen richtig liegen. Die vernünftige Tendenz bleibt: Differenzierte Kompetenzraster sollen stupide Ziffernzeugnisse ersetzen. Darüber hinaus wurden die Fehler der bisherigen Regelung behoben. So soll es endlich einheitliche notenfreie Zeugnismusterformulare geben. Zudem wird in den Kompetenzrastern eine fünfte Spalte auf der Bewertungsskala eingeführt. Auch das ist sinnvoll, weil es die „Umrechnung“ zwischen Note und Raster erleichtert. Und auch die umstrittenen Formulierungen in den Entwicklungsberichten für die 4. Klasse werden überarbeitet. So technisch das klingt – es sind wichtige Stellschrauben. Unter dem Strich könnte das entscheidend zur Akzeptanzsteigerung der neuen Zeugnisse beitragen.

Womit letztlich ein „Königsweg“ durchschimmert: Weil Ernst Noten nicht gänzlich verbieten will, dürften viele Schulen künftig in der 3. und 4. Klasse auf eine Kombination aus Zensur und Kompetenzraster setzen. Diese Doppellösung macht Sinn. Sogar die Opposition aus CDU und FDP könnte sich wohl damit anfreunden. Es wäre ein wichtiger Schritt zu ein bisschen mehr Schulfrieden.

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Ein Artikel von
Patrick Tiede
Redaktion Lokales Kiel/SH - Landeshaus-Korrespondent

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Foto: Bildungsministerin Britta Ernst kämpft weiter für die notenfreie Grundschule.

Im Kampf für eine notenfreie Grundschule hat Schulministerin Britta Ernst die nächste Stufe gezündet. Die SPD-Politikerin stellte erstmals Standard-Zeugnisse ohne Ziffernnoten für alle Grundschulklassen in Schleswig-Holstein vor. Ziel ist, ab nächstem Schuljahr deutlich mehr Grundschulen zum Verzicht auf Ziffernnoten zu bewegen.

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