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Patrick Tiede zur Homo-Ehe

Kommentar Patrick Tiede zur Homo-Ehe

Und sie bewegt sich doch – die CDU, wohlgemerkt. Zwar bedurfte es erst eines irischen Referendums zur Homo-Ehe, um die progressiven Familienpolitiker der Union aus der Reserve zu locken. Doch einmal losgelassen, zeigt sich, dass das C im Namen nur noch bedingt trägt: Erstmals scheint es möglich, dass sich die Christdemokraten nicht mehr mehrheitlich der rechtlichen Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Ehen verschließen.

Kiel. Und um es mit einem bekannten bekennenden schwulen Sozialdemokraten zu sagen: Das ist auch gut so.

In der Sache ist die Bewegung so richtig wie überfällig. Denn: Die völlige Gleichstellung der Ehe bedeutete nicht den Untergang des Abendlandes, wohl aber das Ende der diskrimierenden Unterscheidung zwischen Liebe erster und zweiter Klasse. Und zugleich würde man ermöglichen, dass zwei Menschen dauerhaft, öffentlich und rechtlich bindend Verantwortung füreinander übernehmen. Was gibt es dagegen einzuwenden? Mit Blick auf die Adoption gilt: Niemand „ersetzt“ einem Kind die Mutter. Doch entscheidend ist ein stabiles Umfeld. Eine rechtlich nicht geklärte Familiensituation wirkt da oft noch viel belastender als das Geschlecht der Eltern.

Doch was will die Kanzlerin? Hat sie an Pfingsten ihr familienpolitisches Fukushima erlebt? Wohl eher nicht. Angela Merkel wird weiter Politik im Schatten der Urteile des Bundesverfassungsgerichts machen wollen. Das bedient die konservativen Reihen, ohne die Reformer völlig zu verprellen. Damit ist sie bisher gut gefahren. Mutiger und angebrachter aber wäre es, in der Sache den irischen Weg zu gehen und das Volk zu fragen. Es scheint in diesem Fall weiter zu sein als die Politik.

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Ein Artikel von
Patrick Tiede
Redaktion Lokales Kiel/SH - Landeshaus-Korrespondent

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Kiel
Foto: Der CDU-Fraktionschef im schleswig-holsteinischen Landtag, Daniel Günther, hat sich für eine Öffnung der Ehe für Homosexuelle ausgesprochen.

Der CDU-Fraktionschef im Landtag, Daniel Günther, hat sich für eine Öffnung der Ehe für Homosexuelle ausgesprochen und damit die Debatte in der Landespolitik befeuert. „Ich freue mich darüber, dass die überwiegend katholischen Bürger in Irland sich so deutlich für die völlige Gleichstellung homosexueller Paare mit der klassischen Ehe von Mann und Frau ausgesprochen haben“, sagte der bekennende Katholik am Dienstag.

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