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Thomas Geyer zur Justiz im Land

Kommentar Thomas Geyer zur Justiz im Land

Zwölf Angeklagte, 25 Verteidiger, zwei Staatsanwälte und ein Dutzend Sachverständige – der größte Strafprozess der Schleswig-Holsteinischen Justizgeschichte gegen die Pfandhausräuber aus Litauen bringt das Gericht personell, räumlich und sicherheitstechnisch an seine Grenzen. Das Konfliktpotential der geballten Anwaltspower, rund 90 Zeugen und 140 zu erörternde Urkunden lassen befürchten, dass der Mammutprozess des Kieler Landgerichts – wie zuvor sein Hamburger Pendant gegen zehn somalische Piraten – Jahre dauern könnte.

Umso wichtiger ist die Verhandlungsatmosphäre, die wesentlich von der Kammer bestimmt wird. Der Vorsitzende muss als Moderator den Ablauf vorgeben, permanent zwischen rund 50 Beteiligten vermitteln und juristisch korrekt auf unterschiedlichste Bedürfnisse reagieren.

Trotz Verzögerung ist der Prozessauftakt gelungen. Das macht Hoffnung, dass die Verhandlung nicht unnötig blockiert wird. Schließlich belasten schon ältere Rekordverfahren das Kieler Landgericht. So „feierte“ der SMS-Prozess um Millionenabzocke mit Flirt-Charts gerade sein sechsjähriges Bestehen.

Und am Montag startet bereits der dritte Prozessanlauf gegen zwei Brüder aus Schilksee, die das Leben eines asthmakranken Raubopfers auf dem Gewissen haben. Sollte die Justiz eines Tages kollabieren, liegt dies weniger an wachsender Kriminalität. Eher an handwerklichen Fehlern und dem Drang von Verteidigern und Staatsanwälten, den Rechtsweg bis zum bitteren Ende auszureizen, auch wenn es im Strafmaß nur noch um Nuancen geht.

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