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Ulf B. Christen zum Steueraufschub für Bauern

Kommentar Ulf B. Christen zum Steueraufschub für Bauern

Diesmal liegt der Bauernverband richtig. Angesichts der existenziellen Krise vieler Milchvieh- und Schweinebetriebe ist eine Steuer-Stundung geboten. Sie darf natürlich nicht pauschal allen Bauern gewährt werden, kann aber im Einzelfall notleidenden Landwirten auf dem Weg in die Zukunft helfen. Und dazu beitragen, dass die Bauern in ein oder zwei Jahren die Steuerschuld begleichen, natürlich mit Zinsen.

Das Grundproblem, auch das gehört zur Wahrheit, lässt sich allerdings mit einem befristeten Zahlungsaufschub nicht lösen. Er kann den Strukturwandel in der Landwirtschaft nicht stoppen. In den vergangenen 35 Jahren haben schon mehr als 26 000 Milch- und Schweinebauern die Flinte ins Korn geworfen, weil sie auf dem zunehmend globalen Markt für Nahrungsmittel nicht mithalten konnten. Dasselbe Schicksal droht vielen der noch 5000 Betriebe. Sie müssen zur Agrarfabrik wachsen oder eben weichen.

Diese Marktlogik lässt sich kaum aushebeln, lässt aber Raum – für Bauern, die auf Öko umstellen, die ihre Produkte regional vermarkten oder aber Nischen besetzen von der Erdbeerfarm über den Pferdestall bis hin zur Windenergieanlage. Mit solchen bauernschlauen Lösungen ließe sich das Höfesterben zumindest bremsen. Von einer derartigen Agrarwende würden nicht nur Tiere und Natur profitieren, sondern auch die ländlichen Räume. Gemeinden ohne Geschäfte, Sparkasse, Post und Gasthof sind schlimm genug. Deshalb dürfen die Dörfer nicht auch noch die Bauern verlieren.

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Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

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Milch- und Schweinebauern in Existenzangst: Wegen der angespannten finanziellen Lage vieler Landwirte fordert der Bauernverband Schleswig-Holstein Hilfe vom Land ein. Präsident Werner Schwarz bat Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) schriftlich um Stundung von Steuer- und Steuervorauszahlungen, wie der Verband am Donnerstag mitteilte.

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