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Ulf B. Christen zur Sprachenoffensive

Kommentar Ulf B. Christen zur Sprachenoffensive

Die Landesregierung hat mit ihrer Sprachenoffensive die Zeichen der Zeit erkannt. Die Regional- und Minderheitensprachen sind keine Folklore und schon gar nicht verstaubt oder reaktionär. Plattdeutsch, Dänisch und Friesisch sind identitätsstiftend, und das nicht nur für ihre Nutzer, sondern für ganz Schleswig-Holstein.

In keinem anderen Bundesland gibt es mehr Sprachen, eine größere kulturelle Vielfalt und damit mehr starke Anker in einer zunehmend unübersichtlicheren Welt.

 Die Sprachenoffensive ist allerdings kein Selbstgänger. Die Kommunikation zwischen Bürgern und Behörden in demnächst bis zu vier Amtssprachen kann nur gelingen, wenn alle Beteiligten Rücksicht nehmen. Die Mitarbeiter von Land, Städten, Kreisen und Gemeinden müssen das berechtigte Interesse der Minderheiten anerkennen, ihre Anliegen in ihrer Sprache vorzutragen. Und die Regionalsprachler müssen Verständnis dafür aufbringen, dass die Antwort vielleicht etwas länger dauert.

 Klar muss aber auch sein, dass die Sprachenoffensive vermutlich nicht zum Nulltarif zu haben ist. Sollte es zu einer Vielzahl von Eingaben auf Platt, Dänisch oder Friesisch kommen, muss das Land sich an den Kosten für kommunale Sprachkurse und im Ernstfall auch für Übersetzer beteiligen. Das ist der Preis für die kulturelle Vielfalt. Sie wird übrigens weniger in den Amtsstuben als in den Kitas, Schulen und Unis gesichert. Ohne Nachwuchs sterben Sprachen. Dass hier immer noch zu wenig geschieht, ist allerdings kein Erkenntnisproblem, sondern Folge der leeren Kassen.

 Kurzum: Die Sprachenoffensive ist ein richtiger Schritt auf einem langen Weg. Laat man loopen.

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Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

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Platt, Dänisch und Friesisch
Foto: Glücklich mit der neuen Regelung: Minderheitenbeauftragte Renate Schnack (Mitte).

Von dieser bundesweit einzigartigen Offensive verspricht sich die Landesregierung eine Belebung der Regional- und Minderheitensprachen: In Schleswig-Holstein sollen Plattdeutsch, Dänisch und Friesisch offizielle Amtssprachen werden. Der Städteverband ist skeptisch. Den Kommunen drohen Mehrkosten, weil sie künftig Anfragen auf Platt, Dänisch oder Friesisch auf eigene Rechnung übersetzen lassen müssen.

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