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Ulrich Metschies zu Roaming-Gebühren

Kommentar Ulrich Metschies zu Roaming-Gebühren

Zum Glück sind die Zeiten vorbei, in denen nur Gutbetuchte es wagten, die Liebsten daheim aus dem Ausland anzurufen – einfach mal so. Das tat man damals nur, wenn etwas mit Oma war oder etwas anderes Schlimmes. In diesen Zeiten durften Mobilfunk-Provider noch Auslandsaufschläge kassieren, die die Handy-Rechnung in Dimensionen katapultieren konnte, die den Erholungswert einer Spanienreise schnell zunichte machten.

Auf Druck der EU sinken die umstrittenen Roaming-Gebühren seit Jahren, und im Sommer 2017 werden sie praktisch komplett verschwinden. Das ist die eine, die schöne Seite der EU-Parlamentsentscheidung.

Die andere aber ist bedeutsamer und leider ziemlich unschön. Denn im Streit um die Verkehrsregeln auf den Datenautobahnen haben die Parlamentarier einen Kompromiss besiegelt, der zwar einen diskriminierungsfreien Zugang zum Internet verspricht, tatsächlich jedoch den Weg in die Zwei-Klassen-Gesellschaft im Web ebnet. Prinzipiell gilt zwar „Netzneutralität“ – das heißt, alle Daten sollen auf ihrem Weg von A nach B gleichbehandelt werden. Tatsächlich jedoch können sich Kunden über „Spezialdienste“ Vorfahrt erkaufen. Das ist sinnvoll, wenn ansonsten Datenpakete einer Fernoperation mit der gleichen Priorität behandelt würden – wie der Stream eines Horrorvideos. Zu befürchten ist jedoch, dass Onlineanbieter nun massenhaft Premium-Dienste erfinden, mit denen sie sich eine goldene Nase verdienen. „Netzneutralität“ wäre dann purer Etikettenschwindel.

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Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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