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Ulrich Metschies zu den Reparationsforderungen Athens

Kommentar Ulrich Metschies zu den Reparationsforderungen Athens

Vier Jahre lang haben Wehrmacht und SS in Griechenland gewütet und gemordet. Zum großen Glück Europas und der ganzen Welt haben die Nazis den Krieg verloren. Dem Völkerrecht entsprechend musste die neue Bundesrepublik für die materiellen und immateriellen Kriegsschäden aufkommen.

Doch haben wir genug gezahlt? Moralisch wird sich diese Frage nie beantworten lassen. Zu ihrer Schuld müssen die Deutschen stehen, davon können sie sich nicht freikaufen. Rein juristisch jedoch fehlt den Reparationsforderungen der Griechen jede Grundlage. Bereits die drei westlichen Zonen und ab 1949 die neu gegründete Bundesrepublik haben erhebliche Zahlungen an Griechenland geleistet. Zudem wurden die Regelungen des Pariser Reparationsabkommens im Rahmen des Londoner Schuldenkonferenz überarbeitet: Einvernehmlich verschob man die Regelung von Reparationen auf einen künftigen Friedensvertrag. Den gab es zwar nicht, stattdessen regelte das auch von Griechenland akzeptierte Zwei-plus-Vier-Abkommen alle rechtlichen Fragen.

Nein, dies ist kein Schlussstrich-Plädoyer. Es kann immer Gründe geben, Vereinbarungen zu durchleuchten. Dass etwa die Anleihe, zu der die Nazis die Griechen zwangen, nie zurückgezahlt wurde, wäre so ein Grund. Mit der Forderung nach fast 279 Milliarden Euro jedoch ersetzt Athen Völkerrecht durch Polemik, um seine Position im Streit mit dem mächtigen Geldgeber Deutschland zu stärken. In der Notlage, in der das Land steckt, ist das ein verständliches, aber auch ein sehr durchschaubares Manöver.

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