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Ulrich Metschies zur HSH Nordbank

Kommentar Ulrich Metschies zur HSH Nordbank

Der gesunde Menschenverstand reicht schon lange nicht mehr aus, um zu begreifen, in welcher Lage sich die HSH Nordbank wirklich befindet. Da meldet ein Unternehmen einen Konzernverlust in unvorstellbarer Höhe von 814 Millionen Euro. Gleichzeitig spricht der Vorstand von „operativ erfreulichen Fortschritten“, einem Vorsteuerverlust „innerhalb der Planung“ und kündigt für das kommende Jahr schwarze Zahlen an. Na dann ist ja alles gut.

Nein, gut ist im Zusammenhang mit der einstigen Landesbank Hamburgs und Schleswig-Holsteins gar nichts. Denn als Mehrheitseigentümer sitzen beide Länder auf einem Pulverfass mit der verharmlosenden Aufschrift „Bank für Unternehmer“, das noch in diesem Jahr explodieren und zwei Länderhaushalte in den Abgrund reißen kann. Dies ist die eine Sichtweise auf die Realität.

Die andere, optimistischere, lenkt den Fokus auf Fakten und Entwicklungen, die die Aussage erlauben: Das Risiko, dass es zur Explosion kommt, ist durch die jüngsten Zahlen nicht gestiegen, vielleicht sogar etwas gesunken. Erstens: Dank der Ländergarantie ist die HSH nach wie vor gut kapitalisiert. Zweitens: Mit den Rekordabschreibungen schafft die Bank klare Kante, so dass die Prüfer der EZB kaum noch über faule Kredite im Schifffahrtsportfolio stolpern werden. Und drittens: Im Kerngeschäft verdient die HSH wieder richtig Geld. Doch das alles hilft wenig, sollte die EU der Bank die Überlebensfähigkeit absprechen. Dann heißt es: abwickeln.

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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HSH Nordbank
Foto: Operativ hat sich die HSH Nordbank als „Bank für Unternehmer“ neu positioniert und mit dieser Strategie nach eigener Aussage ihre Stellung bei Firmenkunden im Norddeutschlands „gesichert“, in Mittel- und Süddeutschland jedoch neue Kunden gewinnen können.

Mehr als 800 Millionen Euro Verlust, voraussichtlich 300 Millionen Garantie-Euro mehr, die die Länder ab 2019 in die Bank pumpen müssen: Trotz dieser Horrorzahlen reagierte die Landesregierung in Kiel vergleichsweise gelassen. Ein Grund dafür ist Normalsterblichen kaum zu vermitteln: Ob die HSH Nordbank nun 400, 600 oder 800 Millionen Euro Verlust ausweist, ist in der derzeitigen Lage der Bank relativ schnuppe.

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