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Ulrich Metschies zur Warnung des IfW

Kommentar Ulrich Metschies zur Warnung des IfW

„Niemand hat die Absicht, das Bargeld abzuschaffen.“ Wer in Berlin oder Brüssel nachhakt, ob das geplante Aus für den 500-Euro-Schein oder eine Obergrenze für Barzahlungen nicht Teil einer Anti-Bargeld-Verschwörung seien, der hört Aussagen, die an den Satz erinnern, mit dem Walter Ulbricht am 15. Juni 1961 den geplanten Mauerbau leugnete. Ein schräger Vergleich, gewiss.

Doch dass die hartnäckig starke Bargeldnutzung in Deutschland manchem (geld-)politischen Funktionsträger nicht passt, das liegt auf der Hand.

Während unsere Nachbarn vielfach bereits bargeldlos unterwegs sind und in Schweden Verkäufer von Straßenmagazinen mit Kartenlesegeräten ausgerüstet werden, prägt bei uns noch immer der Schein das Bewusstsein. Obwohl sich Plastikgeld durchgesetzt hat und das Bezahlen per Smartphone vor dem Durchbruch steht, wird im Einzelhandel nach wie vor mehr als die Hälfte aller Transaktionen in bar abgewickelt.

Man kann darüber streiten, ob Einschnitte bei Barzahlungen Kriminellen das Leben schwerer machen. Doch der Verdacht liegt nahe, dass dieses Argument vorgeschoben ist, um der Europäischen Zentralbank mehr Luft zu verschaffen in dem Bemühen, mit ihrer ultralockeren Geldpolitik die Zinsen unter die Nulllinie zu drücken – auf dass die Konjunktur- und Staatsschuldenprobleme der Euro-Zone sich in Luft auflösen. Solange wir frei sind, bar zu zahlen, können wir Negativzinsen leicht ausweichen. Jeder Versuch, Bares im Finanzsystem einzusperren, ist brandgefährlich, denn er untergräbt das Vertrauen in unsere Währung.

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Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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Foto: Am Institut für Weltwirtschaft warnt man vor einem Bargeldlimit.

Abschaffung des 500-Euro-Scheines, Limit für Barzahlungen: Die von Bundesregierung und Europäischer Zentralbank geplante Beschneidung des Bargeldverkehrs stößt im Land auf breite Ablehnung. „Ein staatliches Bargeld-Entwöhnungsprogramm ist eine schlechte Idee“, warnt Prof. Stefan Kooths, Leiter des Prognosezentrums am Kieler Institut für Weltwirtschaft.

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