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Kristian Blasel zum Anschluss an den digitalen Wandel

Kommentar Kristian Blasel zum Anschluss an den digitalen Wandel

Woran erkennt ein Vater, wie sehr sich die Zeiten geändert haben? An den verblüfften Gesichtern der Kinder, wenn er ihnen erzählt, wie er als Zwölfjähriger mit der S-Bahn durch Hamburg gereist ist – und nur zwei Groschen in der Hosentasche hatte, um im Notfall eine Telefonzelle ansteuern zu können.

Ansonsten jedoch war er damals stundenlang unerreichbar. Und die Eltern haben sich nicht einmal ernsthaft Sorgen gemacht. Geschichten aus dem vergangenen Jahrhundert.

Unerreichbarkeit. Für die Kinder und Jugendlichen von heute ist dies ein Zustand, den sie sich kaum vorstellen können. Hausaufgaben werden über den Nachrichtendienst WhatsApp ausgetauscht, Ferngespräche mit Videotelefonie geführt, und die Kommunikation selbst mit Freunden aus der Nachbarschaft findet weitgehend in sozialen Netzwerken statt. Das können Erwachsene bedauerlich finden, das können sie kritisieren – aber aufhalten und ändern können sie es nicht.

Genau dies ist wahrscheinlich die größte Herausforderung für Eltern und Lehrer: Sie müssen akzeptieren, dass die Maßstäbe der eigenen Kindheit nicht mehr gelten. Und sie dürfen trotzdem nicht den Mut verlieren, die neuen Gegebenheiten gestalten zu können. Denn das ist dringend vonnöten. So leicht es selbst Vorschulkindern fällt, auf dem Tablet zu navigieren, so überfordert sind sie, die Flut an Informationen richtig einzuordnen. Für diese unverzichtbare Hilfeleistung benötigen sie Eltern und Lehrer. Zumal sich die Nutzung der neuen Medien glücklicherweise auch später nicht auf Ballerspiele und Sinnlos-Chats beschränkt. Aber ohne ein bisschen Kontrolle, ohne die Frage „Was machst du da?“ geht es nicht. Das war bereits vor 30 Jahren hilfreich, als der Fernseher in manchen Haushalten stundenlang lief, wenn keiner eingegriffen hat. Und als die heutige Elterngeneration viele Stunden ihres Lebens am C64, dem damaligen PC-Einstiegsgerät, verbracht hat, der nur in Ausnahmefällen für schulische Zwecke genutzt wurde.

Den Kindern auf technischer Augenhöhe zu begegnen, ist jedoch anstrengend. Weil die Entwicklung mit einem Tempo voranschreitet, das nicht nur Eltern mitunter überfordert. Auch die Schulen tun sich weiterhin schwer damit, auf den Wandel zu reagieren. So selbstverständlich die Nutzung von Präsentations- und Textverarbeitungssoftware im Klassenraum ist, so zufällig ist in vielen Fällen noch die Vorbereitung darauf. Hier fehlt es an verbindlichen Standards, an denen sich Kinder und Elternhäuser orientieren können. Und nicht selten wird von Schülern mehr Energie in die digitale Verpackung ihrer Themen gesteckt als in die inhaltliche Vorbereitung. Auch hier sind die Schulen gefordert, auf die richtige Schwerpunktsetzung einzuwirken. Damit die smarten Geräte nur Hilfsmittel bleiben.

Kurzum: Die Erwachsenen müssen technisch am Ball bleiben. Sonst entsteht eine digitale Parallelwelt, die Generationen spaltet.

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Ein Artikel von
Kristian Blasel
Ressortleiter Lokalredaktion/Kiel

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Internet-Studie
Foto: Computer, Laptop, Tablet und Smartphone haben längst die Kinderzimmer erreicht. Bei Achtjährigen sind Spielen und Lernen am Rechner mehrheitlich eine Selbstverständlichkeit - wie die gestern vorgestellte Studie belegt.

Die Generation Smartphone verblüfft als erste ihre Eltern, und das oft schon im Kleinkind-Alter. „Es erstaunt mich sehr, wie die mit diesen Dingern umgehen können“, sagt eine junge Mutter über die digitale Früh-Reife ihrer drei und fünf Jahre alten Kinder. Die Mutter eines Sechsjährigen wundert sich: „Wischen ist heutzutage wohl angeboren“ — also das flotte Navigieren auf einem Touchscreen.

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