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Frank Behling zum Landstrom

Kontra-Kommentar Frank Behling zum Landstrom

Die plakative Forderung, Schiffe an die Steckdose zu bringen, setzte bereits 2008 der ehemalige Ministerpräsident Peter Harry Carstensen im Lübecker Hafen um. Es wurde der Eindruck erweckt, die Steckdose sei das Mittel zur Lösung aller Probleme bei Schiffsemissionen.

Doch das ist ein Trugschluss. Wenn eine Jumbo-Fähre oder ein Kreuzfahrer an der Pier liegen, werden gerade mal 15 bis 20 Prozent der Leistung der Maschinen benötigt. Der Löwenanteil der Emissionen entsteht erst dann, wenn das Schiff wieder fährt. Doch dann ist kein Kabel mehr dran.

 Wer die Emissionen durch die Schiffe also wirklich senken will, der muss bei der Technik im Maschinenraum ansetzen und nicht medienwirksam Steckdosen fordern. Genau diesen Weg beschreiten große Reedereien seit Jahren. In Kiel-Friedrichsort wurden seit 2007 für Aida die modernsten Schiffsmotoren der Welt konstruiert. Die Buchstaben MaK sind der Schlüssel zum Erfolg. Während Landstrom allenfalls eine minimale Minderung beim Ausstoß von Rußpartikeln und Stickoxiden erreicht, können die neuen LNG-Motoren über 90 Prozent aller wesentlichen Schadstoffe vermeiden. Deshalb ist die just vom Bundesverkehrsministerium gestartete Förderung für Schiffe zur Umrüstung auf LNG ein wesentlich wirkungsvollerer Kurs, als an Kieler Terminals zweistellige Millionen-Beträge für Landstromanschlüsse in den Sand zu setzen. In Kiel können sich diese Anschlüsse allenfalls bei den ganzjährig verkehrenden Fährreedereien amortisieren. Die Saison der Kreuzfahrer ist auf nur Sommermonate beschränkt, da kämen die Ausgaben der Stadt nicht mal ansatzweise wieder herein.

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Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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