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Kristian Blasel zum Marzipan-Erpresser-Urteil

Kommentar Kristian Blasel zum Marzipan-Erpresser-Urteil

Gewöhnliche Erpressungen sind schon niederträchtig genug. Hier jedoch hat ein 38-Jähriger gleichzeitig Schulen mit Bomben bedroht und Lebensmittel mit Gift angereichert.

Das macht diesen Fall im negativen Sinne einzigartig. Der Mann, der als Marzipan-Erpresser in die Kieler Kriminalgeschichte eingeht, hat bewusst mit den Ängsten der Menschen gespielt und alles getan, um größtmögliche Aufmerksamkeit zu bekommen. Es ist allein aufmerksamen Kriminalpolizisten zu verdanken, dass dieser Spuk nach wenigen Tagen vorbei war. Der geständige Täter hatte nachweislich alles daran gesetzt, das perfide Spiel mit Polizei und Familien fortzusetzen. Und er hatte zugleich versucht, den Verdacht auf Ausländer zu lenken, indem er die Sprache in den unzähligen Mails entsprechend manipulierte.

Sein Bedauern über die Folgen der Tat kommt reichlich spät. Zumal ihm von Anfang an von Gutachtern attestiert wurde, dass er seine psychischen Probleme nur simuliert. Was ihn tatsächlich zu dieser irren Erpressung motiviert hat, wird er letztlich nur alleine wissen. Unstrittig ist jedoch, dass der 38-Jährige mit hoher Kaltblütigkeit und ausgezeichneten IT-Kenntnissen von seiner Wohnung aus alle Beteiligten zum Narren halten wollte.

Die hohe Haftstrafe, die er nach dem kurzen Prozess erhalten hat, ist deshalb folgerichtig. Hier hat jemand vom heimischen PC aus eine Stadt in Angst und Schrecken versetzt. Dafür gibt es keine Entschuldigung.

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Ein Artikel von
Kristian Blasel
Ressortleiter Lokalredaktion/Kiel

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