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Kristian Blasel zum Referendum der Schotten

Kommentar Kristian Blasel zum Referendum der Schotten

Jahrelang haben die Schotten gerungen, immer emotionaler wurde die Debatte auf der Zielgeraden, und die Nation ist in dieser entscheidenden Frage weiterhin tief gespalten. Doch schon am Tag nach dem Referendum reichen sich Befürworter und Gegner einer Abspaltung die Hand – so funktioniert Demokratie.

Die Schotten können stolz darauf sein, wie diese Abstimmung verlaufen ist, mit der sie fast eine mehr als 300 Jahre alte Geschichte beendet hätten. Es genügt ein Blick nach Osteuropa, um zu wissen, dass so ein friedliches Ringen alles andere als selbstverständlich ist.

Gelöst sind die britischen Probleme damit noch lange nicht. Im Gegenteil: Auch Wales und Nordirland haben gestern Ansprüche angemeldet. Die Frage, wie die Machtverteilung zwischen den Briten auf Dauer funktioniert, wird die britische Innenpolitik auf Jahre bestimmen.

Aber auch Brüssel hat keinen Grund, sich zurückzulehnen. Katalonien, Flandern, Südtirol: An vielen Ecken Europas gibt es separatistische Bewegungen, die durch das „No“ in Schottland allenfalls gebremst wurden. Die EU muss sich etwas einfallen lassen. Starke, eigenständige Regionen sind für das Identitätsgefühl der Menschen unverzichtbar – ein Aspekt, der in den vergangenen Jahren vernachlässigt worden ist und vielen nationalistischen Parteien Wähler in die Arme treibt. Gleichzeitig behält Europa in globalen Fragen nur dann seinen Einfluss, wenn es außen- und wirtschaftspolitisch mit einer Stimme spricht. So sehr sich die Deutschen oft über ihren Föderalismus ärgern: Im europäischen Vergleich hat sich das System bewährt.

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Ein Artikel von
Kristian Blasel
Ressortleiter Lokalredaktion/Kiel

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