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Carola Jescke zum Kita-Alltag

Leitartikel Carola Jescke zum Kita-Alltag

Mehr Personal in Schleswig-Holsteins Kindertageseinrichtungen – das klingt nach einer guten Nachricht. Mehr Personal bedeutet mehr Qualität in der Betreuung. Und das ist es doch, was wir uns alle wünschen.

Die Eltern, die ihr dreijähriges Kindergartenkind morgens in der 25-köpfigen Elementargruppe abgeben. Die Erzieherinnen, die sich zwischen frühkindlichem Bildungsauftrag, Dokumentationen, Elterngesprächen, Fortbildungen und spätsommerlichen Bastelarbeiten mehr und mehr aufreiben. Die Kita-Träger, die sich als schleswig-holsteinisches Aktionsbündnis „Unsere Kinder – unsere Zukunft“ für eine qualitativ hochwertige Bildung, Betreuung und Erziehung einsetzen. Und die Politiker, die sich in die Pflicht genommen sehen, die finanziellen – und damit auch personellen – Rahmenbedingungen einer zukunftsorientierten Kita-Betreuung an den tatsächlichen Bedarf anzupassen. Auch und vor allem die Kinder könnten sich freuen. Aber sie wissen zum Glück noch nicht, wie schwierig es ist, ihren Start ins lebenslange Lernen angemessen zu begleiten.

Und Grund zur Freude gibt es beim geschärften Blick auf ein paar magere Prozentpunkte ohnehin nicht. Ja, eine vollzeitbeschäftigte Fachkraft muss in Schleswig-Holstein statistisch gesehen „nur“ noch 8,9 Kindergartenkinder betreuen, statt 9,1. Aber das sind und bleiben Zahlen, mehr nicht. Zum einen bescheinigt die Bertelsmann-Studie nahezu allen Bundesländern, dass ihre Kitas trotz verbessertem Personalschlüssel immer noch nicht kindgerecht und pädagogisch sind. Empfohlen wird ein Betreuungsverhältnis, bei dem eine Erzieherin in der Krippe höchstens drei Kinder unter drei Jahren betreut und höchstens 7,5 Kindergartenkinder. Zum anderen bescheinigen Kita-Träger und Erzieher den Ergebnissen der Studie Realitätsferne. Denn die nackten Zahlen, Daten aus den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder, sagen nichts darüber aus, wie es wirklich läuft.

Sie erzählen nichts über hohe Krankenstände und Personalwechsel, über das Durchhangeln mit Teilzeitkräften und Praktikanten, über Kita-Gruppen, die „ausnahmsweise“ regelmäßig aus allen Nähten platzen, oder über Ausfall- und Verfügungszeiten. Spätestens seit den wochenlangen Streiks haben wir eine vage Ahnung davon, dass der Berufsstand der Erzieherinnen den Workflow einer ganzen Gesellschaft ins Wanken bringen könnte. Eine anspruchsvolle Tagesbetreuung von Kindern ist also nicht nur ein gesamtgesellschaftliches Anliegen, sondern auch eine gemeinsame Verantwortung. Bundesweite Standards und eine gesicherte finanzielle und personelle Ausstattung für die Kitas sollten dabei ebenso selbstverständlich sein wie die Professionalität, die wir von den Fachkräften erwarten. Und die diese nur leisten können, wenn Ausbildung, Bezahlung und Rahmenbedingungen stimmen. Man muss nicht gleich den Wirtschaftsstandort Deutschland damit sichern wollen. Das machen die zufriedenen, selbstbewussten und früh geförderten Kinder später ganz von allein.

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Ein Artikel von
Carola Jeschke
Lokalredaktion Kiel/SH

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Kita-Studie
Foto: Diese Krippenkinder haben zum Glück noch keine Ahnung, wie sehr ihre Betreuung den Eltern, Bildungsexperten, Fachkräften und Politikern quer durch alle Bundesländer Kopfschmerzen bereitet: Auch die Personalschlüssel für Kinder unter drei Jahren sind laut Bertelsmann-Studie längst nicht optimal.

Laut einer Bertelsmann-Studie hat sich die Situation in Schleswig-Holsteins Kitas zwar verbessert – aber noch lange nicht ausreichend. Die Qualität kann mit dem erhöhten Personalschlüssel nicht mithalten.

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