17 ° / 1 ° wolkig

Navigation:
Christian Longardt zu "Refugees welcome"

Leitartikel Christian Longardt zu "Refugees welcome"

Sönke Boysen aus Schwedeneck gibt seinen neuen Nachbarn aus Syrien Deutschunterricht; Jörgen Johannsen aus Rendsburg spielt mit Flüchtlingen Fußball; Angelika Münchbach aus Rodenbek hilft Asylbewerbern beim Umgang mit Behörden: Pensionär Boysen, Fußballtrainer Johannsen, Lehrerin Münchbach – das sind nur drei der vielen, vielen freiwilligen Helfer, die in diesen bewegten Wochen Großartiges leisten. Die die Bilder der entwurzelten, entkräfteten, verzweifelten Flüchtlinge sehen und für sich entscheiden: Da muss ich etwas tun, da will ich helfen.

Wir wissen, dass auch viele von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, gern Asylbewerber unterstützen wollen. Deshalb veröffentlichen wir heute auf einem beigelegten Plakat eine Liste von lokalen Initiativen, an die Sie sich wenden können, auf unserem Internet-Portal wird diese Liste ständig ergänzt und erweitert.

Auf der anderen Seite des Plakats steht eine Botschaft an die Flüchtlinge, unsere Botschaft: Refugees welcome, das werden wohl die meisten der Neuankömmlinge verstehen. Ihr seid willkommen – die Botschaft richtet sich ganz aktuell an Hunderte Asylbewerber, die diese Woche in Kiel in ein Containerdorf ziehen. Sie gilt aber genauso für die Flüchtlinge in Boostedt, in Neumünster, in Rendsburg und in vielen Gemeinden unserer Region.

Wir leben in einem freien Land, die Meinungsvielfalt ist ein hohes Gut. Was den Umgang mit Flüchtlingen angeht, kann es aber nur eine Haltung geben: Wer politisch verfolgt ist, verdient Schutz, wer auf der Flucht vor Krieg in Deutschland ankommt, dem wird geholfen. Fremdenhass und die Verunglimpfung von Asylbewerbern haben keinen Platz in unserer Gesellschaft. Deshalb das Bekenntnis unseres Medienhauses, das Sie zu Ihrem Bekenntnis machen können. Wir freuen uns, wenn viele von Ihnen dieses Plakat aufhängen. Am Eingang der Staatskanzlei klebt es schon jetzt.

Nein, unsere Aktion ist kein naives Gutmenschentum. Wir werden die enormen Probleme, die großen Fragen nicht ausblenden, die sich nun von Woche zu Woche drängender stellen. Wie werden Hunderttausende dauerhaft untergebracht, wie werden sie gefördert, beschult, wie in Arbeit gebracht?

Wenn die Menschen „Deutschland, Deutschland“ skandierend in die Züge nach München drängen, dann liegt das nicht nur an der Attraktivität einer starken Wirtschaftsnation, sondern auch daran, dass wir uns eben nicht abschotten, sondern die Menschenrechte achten. Wahr ist aber auch: Deutschland kann nicht alle Probleme dieser Welt lösen, und selbst unsere Belastbarkeit wird an Grenzen stoßen. Deshalb ist eine gerechtere Lastenverteilung in der EU dringend nötig, ebenso wie schnellere Verfahren inklusive Abschiebung abgelehnter Bewerber.

Dem anonymen User, der uns gestern schon auf Facebook beschimpfte, sei noch gesagt: Unsere Redakteure müssen natürlich keine Flüchtlinge bei sich zu Hause aufnehmen. Darum geht es nicht. Es geht um ein humanes Schleswig-Holstein, um nicht mehr und nicht weniger.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Christian Longardt
Chefredakteur

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Anzeige
Mehr zum Artikel
Flüchtlinge
Foto: Die Besucher des Helfertreffens an der Kieler Universität bekamen gestern als Erste das druckfrische Plakat „Refugees welcome – Ihr seid willkommen!“. Fotos von weiteren Plakataktionen können an willkommen@kieler-nachrichten.de geschickt werden.

Mit solch einer riesigen Hilfsbereitschaft hatte niemand gerechnet: Rund 1000 Bürger der Region Kiel strömten am Donnerstag in die alte Uni-Mensa, um sich über Unterstützungsprojekte für Flüchtlinge auszutauschen. Wie wichtig es ist, die Hilfen zu koordinieren, zeigte sich zeitgleich in der neuen Erstaufnahme-Einrichtung am Nordmarksportfeld.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus KN-Kommentare 2/3