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Christian Longardt zum Fußballwochenende

Leitartikel Christian Longardt zum Fußballwochenende

Es hat an diesem Wochenende wichtigere Nachrichten gegeben, aus dem Iran, Saudi-Arabien, Afghanistan. Die größten Emotionen aber hat in Deutschland zweifellos das Saisonfinale im Profifußball ausgelöst, vor allem den Fans von Holstein Kiel und vom HSV wird dieser Sonnabend unvergesslich bleiben.

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Christian Longardt zum Fußballwochenende.

Quelle: Ulf Dahl

Die einen feierten ausgelassen den lange herbeigesehnten Aufstieg der KSV Holstein, die anderen ebenso enthusiastisch die x-te Rettung des Bundesliga-Dinos. Manche auch beides. Eindrucksvoll hat der Fußball wieder bewiesen, warum er Volkssport Nummer eins ist. Manager und Mechaniker, Akademiker und Arbeitsloser, Ralf Stegner und Daniel Günther – sie alle hatten ein gemeinsames Thema, sie alle vereinte ein großes Glücksgefühl. Schämen muss sich dafür niemand. Wir Menschen sind so. Auch der Autor dieser Zeilen war am Sonntag froh, ein schreibender Journalist zu sein – die Stimme wird noch ein paar Tage zum Erholen brauchen.

 Nichts gegen die Weißbier-Duschen des FC Bayern, aber in Kiel und Hamburg war zu spüren, dass die Freude der Feiernden aus tiefstem Herzen kam. Von wegen kühle Norddeutsche: Die Partys an Förde und Elbe zählten deutschlandweit zu den eindrucksvollsten. Platzsturm hier wie dort, in der Kieler Innenstadt ging es zu wie beim Kölner Karneval, bei den Hamburgern, die kurz vor Schluss mit dem schönsten Tor der Saison auf wundersame Weise die Katastrophe verhinderten, fühlte man sich an die letzte Meisterschaft von 1983 erinnert. Drinbleibe-Meister, immerhin auch ein Titel. Die HSV-Uhr läuft also doch noch weiter, die von Holstein Kiel beginnt in Liga zwei gerade erst zu ticken.

 Für die Macher hinter den Kulissen geht mit dem Schlusspfiff die Arbeit erst so richtig los, um das alte Kieler Stadion rechtzeitig zum Saisonstart zweitligareif zu machen. Die Aufgabe: sofortiger Ausbau von Kabinen und Medienbereich – und dann ein Jahr Übergangsfrist, um die Arena auf mindestens 15 000 Zuschauer zu erweitern. Dafür braucht es eine große Kraftanstrengung von Verein, Förderern, Stadt und Landesregierung. Gut, dass aus der Politik das Signal kommt, man werde Holstein nicht hängenlassen. Verständlich aber zugleich, dass Rathaus und Landeshaus auch den Profiverein mit deutlich wachsendem Etat in der Pflicht sehen, seine Hausaufgaben zu machen. Einig sind sich alle: Die ersten Spiele in der neuen Liga müssen in Kiel stattfinden – ans Millerntor oder, noch schlimmer, nach Lübeck ausweichen zu müssen, diese Peinlichkeit wollen sich die Verantwortlichen ersparen.

 Holsteins Aufstieg ist kein Zufallsprodukt, sondern war von langer Hand akribisch geplant. Jetzt, wo der Masterplan aufgegangen ist, ist das nächste Ziel, das Team zu stabilisieren und die Klasse zu halten. Das wird schwer genug angesichts der Leistungsdichte in der Zweiten Liga. Die Begeisterung, mit der die Aufsteiger am Wochenende gefeiert wurden, macht Mut: Sie hat gezeigt, dass die Handballstadt Kiel gewillt ist, auch Fußballstadt zu sein.

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