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Christian Longardt zum Stadionausbau

Leitartikel Christian Longardt zum Stadionausbau

Über den Hamburger SV hat an diesem Wochenende halb Deutschland seine Witzchen gemacht – weil der Krisenklub der vergangenen Jahre nach einem überraschend guten Saisonstart plötzlich in der Tabelle gleichauf mit Bayern München und Borussia Dortmund rangiert.

Das sagt viel aus über das Image des Bundesliga-Dinos, den man republikweit mit Pleiten, Pech und Pannen in Verbindung bringt. Wenn außerhalb von Kiel über den Zweitliga-Aufsteiger KSV Holstein gesprochen wird, geschieht dies dagegen in der Regel mit großem Respekt. Von der Elbe bis zur Isar wird die solide Arbeit anerkannt, die beim besten Fußballverein Schleswig-Holsteins auf dem Feld und hinter den Kulissen geleistet wird. Der Neuliga in Liga zwei hat sich zu Saisonbeginn eindrucksvoll auf der nationalen Fußball-Bühne zurückgemeldet. Das Hoch im Norden, das ist Holstein Kiel.

 Dass trotz der Erfolgsgeschichte in der Führungsetage keine Hochstimmung herrscht, liegt an den enormen Herausforderungen, die der Sprung unter die 36 besten Vereine Deutschlands fürs Management bedeutet. Sportlich hat sich der Klub qualifiziert, das Stadion aber ist noch lange nicht in der nötigen Zweitliga-Form. In einem Kraftakt ist es gemeinsam mit Landesregierung und Stadt im Sommer zwar gelungen, binnen weniger Wochen die Mindestanforderungen der Deutschen Fußball-Liga zu erfüllen – doch nun bringt ausgerechnet die millionenschwere öffentliche Förderung des Stadionausbaus, um die Holstein so gekämpft hat, dem Verein neue Schwierigkeiten. Wenn derart hohe Summen aus Steuer-Töpfen im Spiel sind, gelten Vergaberichtlinien, die Zeit kosten. Wahrscheinlich zu viel Zeit, um das von der Deutschen Fußball-Liga gesetzte Ziel zu erreichen, bis zur Saison 2018/2019 im Stadion Platz für 15000 Zuschauer zu schaffen.

 Müßig zu fragen, wer diese Verzögerung zu verschulden hat. Stadt und Land müssten sich mit öffentlichen Ausschreibungen eigentlich auskennen – dass Holstein Kiel sich trotzdem mit Schuldzuweisungen zurückhält, spricht für den Klub und die gewachsene Partnerschaft. Entscheidend ist jetzt, wie die DFL reagiert. Der Liga-Verband guckt seit dem Pokalspiel gegen Braunschweig, als die erweiterte Westtribüne aus Sicherheitsgründen entlastet und ein Hüpfverbot erlassen werden musste, noch ein wenig genauer Richtung Kiel. Kaum ist das Schrauben-Problem auf der Fan-Tribüne behoben, muss Geschäftsführer Wolfgang Schwenke schon die nächste schlechte Nachricht nach Frankfurt am Main schicken.

 Das ist fraglos unangenehm, ändert aber nichts daran, dass der Verein seit Jahr und Tag seriöse Arbeit abliefert und insoweit beim Verband noch eine Menge Kredit haben sollte. Einige Monate länger mit dem Provisorium eines laufenden Tribünen-Neubaus zu leben, das sollten die Liga-Oberen der KSV Holstein zugestehen. Ein Zwangsumzug nach Lübeck oder Hamburg, bis die Tribüne steht – das wäre eine unverhältnismäßig harte Konsequenz.

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Christian Longardt
Chefredakteur

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