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Gerhard Müller zur Bedeutung der Bibel für die Wirtschaft

Leitartikel Gerhard Müller zur Bedeutung der Bibel für die Wirtschaft

Es passt so schön in die Zeit. Weihnachten steht bevor, das Fest der Wünsche, an dem selbst Ungläubige kurzfristig fromm werden. Oder ist es die Zeit der frommen Wünsche? Es hört sich schön an, was Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret sagt.

Dass Banken der Realwirtschaft dienen sollten, dass der Steuerzahler nicht zur Kasse gebeten werden dürfe für Manipulationen von Investment-Stars, dass ethisches Verhalten im Geldgewerbe Einzug halten müsse. Von den zehn Geboten für Banker ist Dombret damit nicht weit entfernt. Von der Realität schon.

Das ist wahrlich kein Problem des dritten Jahrtausends. Der große Grieche Aristoteles bezeichnete es schon 350 Jahre vor Christi Geburt als unnatürlich, wenn Geld nicht Mittel, sondern Zweck des Handelns ist. „Nach Golde drängt, am Golde hängt alles“, schrieb Johann Wolfgang von Goethe vor mehr als 200 Jahren im Faust, und Bertold Brecht brachte es in der Dreigroschenoper so auf den Punkt: „Erst kommt das Fressen, dann die Moral.“

Mit „Geiz ist geil“ traf die Hamburger Kreativschmiede Jung von Matt 2002 den Zeitgeist. Das wiedervereinigte Deutschland, ein Volk der Schnäppchenjäger. Hätte die Werbeagentur einen Slogan für die Finanzbranche kreieren sollen, wäre „Gier ist geil“ auf den Vorstandsetagen gleich in den Reißwölfen gelandet. Aus gutem Grund: Werbung soll nicht in erster Linie Realität widerspiegeln, sondern der Imagepflege dienen. Doch um das Image ist es mittlerweile schlechter denn je bestellt. Warum nur?

Beim Versuch, diese Frage zu beantworten, stößt man schnell auf ein Kernproblem: die Kinder Gottes. Es ist ja nicht der Markt, der Menschen korrumpiert. Das Volk der Dichter und Denker musste lernen, dass selbst ein urdeutsches Unternehmen wie Siemens in der Welt agiert, als befinde sich sein Hauptsitz in einer Bananenrepublik. Und der Volkswagen-Konzern erwies in diesem Jahr der drittgrößten Exportnation der Welt mit manipulierten Motoren einen Bärendienst. Doch bei Banken-Bashing und Wirtschafts-Watschen ist Zurückhaltung geboten, die Vorbilder kommen mit der Flick-Parteispendenaffäre oder dem „System Kohl“ des Kanzlers der Einheit aus dem Reich der Politik.

Moral? Ethik? Wen interessiert das denn noch? Mehr Bundesbürger als vielleicht vermutet. Fairtrade-Produkte erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, gleiches gilt für Bio-Lebensmittel. „Made in Germany“ kann auch so funktionieren wie bei Sina Trinkwalder. Die Augsburgerin lässt Textilien von ehemaligen Arbeitslosen fertigen und bezahlt diese sogar noch über Tarif.

Im Markus-Evangelium heißt es im Gleichnis vom Sämann: Trügerischer Reichtum und Gier bringen keine Frucht. Vielleicht sollten Banker und Bosse hin und wieder den Bestseller Bibel zur Hand nehmen. Nicht nur an Weihnachten.

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