12 ° / 7 ° Sprühregen

Navigation:
Karen Schwenke zu Salafisten in Schleswig-Holstein

Leitartikel Karen Schwenke zu Salafisten in Schleswig-Holstein

Die Anschläge in Paris und Brüssel haben uns vor Augen geführt, wie real die Bedrohung durch Islamisten ist. Doch nicht nur in den Metropolen, auch in Schleswig-Holstein nimmt das Potenzial für Terrorakte zu. Diese Nachricht dürfte Wasser auf die Mühlen der Islamkritiker sein. Aber sie liegen falsch.

Nicht der Islam ist die Gefahr. Nicht einmal die Mehrheit der ultrakonservativen Salafisten, von diesen bundesweit 8000 folgt nur etwa ein Zehntel den gewaltbereiten dschihadistischen Ideologen. Von dieser kleinen, aber rasch wachsenden Gruppe geht die Terrorgefahr aus. Ungehindert ködern sie Jugendliche, um sie zu mobilisieren für ihren gewaltsamen Kampf zur Bildung eines fundamentalistischen islamischen Staates.

 Natürlich steht die gesamte salafistische Szene unter Beobachtung durch die Sicherheitsbehörden, denn sie lehnt unsere demokratische Grundordnung ab und missioniert für ihre Sache. Die Ermittler richten aber ihr Hauptaugenmerk auf die Rückkehrer aus Kampfgebieten im Nahen Osten, weil sie davon ausgehen, dass die jungen Menschen dort für die Anschläge ausgebildet werden. Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ verfolgt nun seit Monaten verstärkt eine weitere Strategie: Angeworbene Anhänger sollen gar nicht erst ausreisen, sondern direkt im Westen zuschlagen – ohne je ein dschihadistisches Ausbildungscamp besucht zu haben. Das Wissen, wie man etwa eine Bombe baut, ziehen sie aus dem Internet. Sie kommunizieren in kleinen Gruppen, persönlich und hinter verschlossenen Türen. Das macht es für Behörden nahezu unmöglich, sie zu kontrollieren.

 Können wir also etwas dazu beitragen, um den Zulauf zur dieser hochgefährlichen Szene zu stoppen? Ja. Da es rechtlich aber kaum Möglichkeiten gibt, muss den Missionaren der Nährboden entzogen werden. Nur labile, strauchelnde Jugendliche ohne Perspektive oder ohne gute Bindung zu ihren Eltern lassen sich leicht anwerben und radikalisieren. Betroffen sind übrigens junge Menschen aller Bildungsschichten – mit und ohne Migrationshintergrund. Am häufigsten werden junge Muslime angeworben, obgleich ihre Familien eben nicht der gewaltbereiten Strömung innerhalb des Islams angehören. Vielmehr spüren sie in ihrem Alltag die Vorurteile gegen ihre Religion, erleben Ausgrenzung und Anderssein. Dadurch sind sie wiederum empfänglich für salafistische Anwerbungen. Auch einigen jungen Flüchtlingen geht es so. Den Islam pauschal für den Terror verantwortlich zu machen, ist daher nicht nur falsch, sondern auch kontraproduktiv, denn es treibt Muslime in die Hände der Fundamentalisten.

 Wenn es jetzt also darum geht, die Jugend gegen die gefährliche Ideologie zu immunisieren, ist die gesamte Gesellschaft gefragt. Im Besonderen aber Eltern. Sie müssen mit ihren pubertierenden Kindern im Gespräch und ihnen zugewandt bleiben. In schwierigen Phasen fällt das oft schwerer als zu schweigen. Noch schwerer zu ertragen ist aber das, was möglicherweise auf das Schweigen folgt.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Karen Schwenke
Lokalredaktion Kiel/SH

Gewinnspiele

Kostenlos mitmachen
und mit etwas Glück
jetzt gewinnen!

Veranstaltung in...

Aktuelle
Veranstaltungen
und Tagestipps!

Anzeige
Mehr aus KN-Kommentare 2/3