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Kristian Blasel zur Kieler Woche

Leitartikel Kristian Blasel zur Kieler Woche

Wenn sich die Menschen am Abschlusswochenende bei nicht mehr ganz so sommerlichen Temperaturen dicht an dicht über den Internationalen Markt drängen.

Wenn sie zu Tausenden zu den Bühnen kommen, obwohl dort auch in diesem Jahr statt ganz großer Namen und Überraschungen vor allem sympathische Stammgäste ihr Programm präsentieren. Wenn es trotz Terrorgefahr zuletzt im Freundeskreis nur noch darum geht, wo man zum Feiern hingeht und nicht mehr ob: Dann ist das Konzept auch in seiner 123. Variante aufgegangen. Es war wahrscheinlich keine herausragende Kieler Woche. Es war eine normale, eine herrlich normale. Genau dies ist es, was Stadt und Land gebraucht haben.

 Zu Recht ging es in den Debatten im Vorfeld vor allem darum, wie dieses Fest vor Anschlägen geschützt werden kann. Nun steht fest: Der Spagat aus massiv verstärkten Kontrollen und dem Verzicht auf Totalüberwachung ist gelungen. Stadt und Polizei können sich an dieser Stelle erleichtert auf die Schultern klopfen. Das ungewohnte Aufgebot mit Maschinenpistolen, Lkw-Kontrollstellen und massiver Präsenz der Sicherheitskräfte wurde von Tag zu Tag mehr zu einer Selbstverständlichkeit, die die Stimmung nicht dämpfte, sondern am Ende sogar stärkte.

 Und so wurde es eine rundum entspannte Woche, die ihren Charme weiterhin aus der Gleichzeitigkeit so vieler unterschiedlicher Ereignisse entwickelt. Wer in Schilksee die Segelwettbewerbe verfolgt hat, geht mit ganz anderen Erinnerungen ins nächste Jahr als Norder-Besucher, Bühnen-Fans oder das Krusenkoppel-Publikum. Aus jeder Perspektive jedoch dürfte die Zufriedenheit überwiegen. Dass das alles kein Selbstläufer ist, zeigt sich an den Stellen, wo der ganz große Glanz in diesem Jahr ausgeblieben ist. Eine Windjammerparade ohne „Gorch Fock“ und andere Großsegler hat weniger Strahlkraft. Und so nachvollziehbar die Demonstration gegen mögliche verschärfte Sicherheitsregeln für Traditionsschiffe ist: Sie ging auf Kosten des Publikums am Fördeufer, das angesichts des schlechten Wetters ohnehin wieder ziemlich tapfer sein musste und phasenweise eher auf eine Dampferparade guckte. Für den traditionellen Kurzbeitrag in der „Tagesschau“ reichte es in diesem Jahr nicht mehr. Und auch ein bestens aufgelegter Kai Pflaume zieht nicht die Aufmerksamkeit auf sich, die ein Bundespräsident zur Eröffnung mitgebracht hätte.

 Der Erfolg der Kieler Woche ist keine Selbstverständlichkeit: Neben viel Fröhlichkeit gab es wieder grölende Volltrunkene. Neben kulinarischem Charme gab es Essens- und Getränkepreise, die Menschen mit schmalem Geldbeutel keine andere Chance lassen, als auf Selbstverpflegung zu setzen. Kein Volksfest der Welt wird diese Begleiterscheinungen, zu der auch Verkehrsprobleme gehören, vermeiden können. Aber dass es Begleiterscheinungen bleiben, muss jedes Jahr neu erarbeitet werden.

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Ein Artikel von
Kristian Blasel
Ressortleiter Lokalredaktion/Kiel

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