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Michael Kluth zu Fußball im TV

Leitartikel Michael Kluth zu Fußball im TV

Es ist das aufmerksamkeitsstärkste Spiel der Welt im Vereinsfußball. Um die 200 Millionen Menschen in mehr als 200 Ländern werden am Sonnabend ab 20.45 Uhr das Finale der Uefa Champions League zwischen Real und Atletico Madrid anschauen.

Besseren Fußball gibt es wohl auch zu keiner Gelegenheit zu sehen: Mit den Spitzenmannschaften treffen Weltauswahlen aufeinander. Der Europäische Verband hat zudem Sorge getragen, dass auf dem gesamten Kontinent zu der Zeit kein weiteres Profifußballspiel ausgetragen werden darf.

Gegen den Hype um dieses Finale ist für sich genommen nichts einzuwenden. Es kann aber Anlass sein, generell über die Vormachtstellung des Fußballs in der Welt des Sports nachzudenken. Sie ist insgesamt unverhältnismäßig.

Machen Sie sich mal den Spaß, in das TV-Sportprogramm auf Seite 18 dieser Zeitung zu schauen. Sie werden sehen: An diesem Wochenende können Sie nahezu rund um die Uhr Fußball gucken, obwohl der Profifußball hierzulande Pause hat. Zum Beispiel überträgt die ARD heute von 12 Uhr mittags bis 20 Uhr abends sämtliche Endspiele der Amateur-Länderpokale live, darunter etwa Germania Egestorf/Langreder gegen SV Drochtersen/Assel und SG HWW Niederroßbach gegen SV Eintracht Trier. „Eine der größten Unternehmungen, der wir uns in der Sportgeschichte unseres Senders je gestellt haben,“ (WDR-Sportchef Steffen Simon) kann man als Bekenntnis zum Amateurfußball betrachten, man kann aber auch fragen: Habt Ihr noch alle Tassen im Schrank? SG HWW Niederroßbach?! Ein Kreisligist! Tags darauf laufen in mehreren Dritten Programmen Aufstiegsspiele zur Dritten Liga live am Sonntagnachmittag. Das ZDF hat für sehr viel Gebührengeld Übertragungsrechte an der Uefa Champions League erworben. Sport1 hat soeben den Vertrag über die Übertragungsrechte an den Regionalligen (!) verlängert.

Die Sender befördern damit eine für manche Sportarten ruinöse Verdrängungsspirale. Sponsorengeld fließt dahin, wo das Fernsehen ist. Die Folge: Im Schatten von König Fußball gedeiht nichts mehr. Die vermeintliche Sportstadt Hamburg hat es mit dem Tod von Spitzen-Volleyball, -Handball und -Eishockey gerade erlebt.

ARD und ZDF sind zudem öffentlich-rechtliche Sender mit dem gesetzlichen Auftrag zur Grundversorgung. Auch zur Grundversorgung mit Sport. Gerade sie dürfen sich nicht so einseitig auf Fußball kaprizieren. Es ist ein Unding, dass die ARD den letzten Spieltag der Dritten Liga in Konferenz live überträgt und zeitgleich hochklassige Leichtathletikwettkämpfe und Reitturniere ignoriert. Hier haben ARD und ZDF einen anderen Auftrag, den sie sträflich vernachlässigen. Es gibt auch Tischtennis und Turnen, Basketball und Bowling, Volleyball und Wellenreiten. Und und und. Am Tag des aufmerksamkeitsstärksten Vereinssportereignisses der Welt darf man – auch als Fußballfan – daran mal erinnern. Die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender sollten es auch tun.

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Michael Kluth
Ressortleiter Sportredaktion

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