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Stefanie Gollasch zur Wurstwarnung

Leitartikel Stefanie Gollasch zur Wurstwarnung

Nur ein paar Tage noch, dann beginnt wieder die Grünkohlzeit. Doch jetzt, nach der Veröffentlichung einer neuen Studie der Weltgesundheitsorganisation, fallen bange Blicke auf die Kochwurst und auf das würzige Kasseler. Was vielen das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt, ist aus Sicht von Ernährungsforschern eine multiple Todsünde.

Zu viel Fett, zu viel Gepökeltes, zu viel Geräuchertes – Alarmstufe rot! Und in der nachfolgenden Weihnachtszeit wird alles noch schlimmer. Knusprige Weihnachtsplätzchen? Vorsicht, Acrylamid! Duftende Weihnachtsmarkt-Bratwurst? Achtung, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe!

Essen ist offenbar lebensgefährlich. Nichts zu essen aber definitiv auch. Wer schlägt uns Normalverbrauchern eine Schneise durch den Dschungel von immer neuen Warnungen und Empfehlungen, wer hilft bei der Unterscheidung zwischen „bösen“ und „guten“ Lebensmitteln? Und wo bleibt angesichts solcher Bedrohungen der Genuss, die Freude an gutem Essen?

Der Versuch, möglichst viel richtig zu machen, treibt viele früher oder später in den Biosupermarkt. Doch was ist von dem Brustfilet eines angeblich glücklichen Freilandhuhns zu halten, nachdem es ein paar Tage unter einer Plastikfolie voller Weichmacher steckte? Oft verkaufen Anbieter nur noch die Illusion eines gesunden Stücks Fleisch. Genau dafür zahlt der Biokunde gern einen Euro mehr und erkauft sich so vor allem ein gutes Gewissen: Ablasshandel im dritten Jahrtausend.

Die meisten Deutschen verfahren beim Thema gefährliche Lebensmittel so wie bei den meisten Gesundheitsrisiken: Sie ignorieren sie einfach. Wie sonst wäre zu erklären, dass die mit Abstand häufigste Todesursache in Deutschland mit 40 Prozent Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind? Eigentlich müsste jeder wissen, dass Übergewicht schädlich ist, dass mangelnde Bewegung, zu viel Tabak und Alkohol nachweislich lebensverkürzend wirken. Aber es ist eben auch zutiefst menschlich, ein drohendes Risiko so lange wie möglich beiseite zu schieben.

„Allein die Dosis macht’s, dass ein Ding kein Gift sei“ – diese mehr als 500 Jahre alte Erkenntnis des Arztes Paracelsus hat bis heute nichts von ihrer Gültigkeit verloren. Auch die Weltgesundheitsorganisation rät keineswegs generell von Fleisch und Wurst ab. Geräucherter Schinken oder kross Gegrilltes müssen keineswegs komplett vom Speiseplan gestrichen werden.

Die Zauberformel heißt: mit Augenmaß agieren. Wer mit Bedacht und Genuss isst, sich Zeit für seine Mahlzeiten nimmt und vor allem nicht vergisst, sich im Gegenzug auch ausreichend zu bewegen und frisches Obst und Gemüse zu essen, macht schon ziemlich viel richtig. Und muss sich dann auch nicht bei jedem Bissen fragen, welche schädliche Substanz er sich nun schon wieder einverleibt hat.

Von Stefanie Gollasch

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Gesundheit
Die Ergebnisse bestätigen geltende Gesundheitsempfehlungen, den Konsum von Fleisch zu begrenzen.

Die Krebsforscher der Weltgesundheitsorganisation (WHO) setzen verarbeitetes Fleisch auf ihre Gefahrenliste. Wer zu viel Wurst isst, steigert demnach sein Risiko für Darmkrebs.

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