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Sven Hornung zur Dorsch-Fangquote

Leitartikel Sven Hornung zur Dorsch-Fangquote

Das Reduzieren der Dorsch-Fangmengen in der westlichen Ostsee ist nun wahrlich keine Überraschung. Seit 2009 ist der Bestand in einem schlechten Zustand.

Jahr für Jahr haben die EU-Fischereiminister die Empfehlungen der Wissenschaftler ignoriert, haben gepokert und beide Augen zugedrückt – in der Hoffnung, der Bestand würde sich schon von allein wieder erholen. Ein fataler Fehler. Ihre Quotenreduzierung (um 56 Prozent) hätte noch drastischer ausfallen müssen, um das erklärte Ziel, auch den Dorschbestand bis 2020 in einen guten Zustand zu bekommen, sicher zu erreichen.

Alle anderen Fischarten in der westlichen Ostsee haben sich zum Glück weitestgehend regenerieren können. Deshalb können sich die Fischer jedenfalls dort über Zuwächse bei den Fangmengen freuen. Wie lange die Berufsfischer aufgrund des schlechten Zustandes des Dorsches auf dem Trockenen sitzen müssen, hängt vor allem von Qualität und Quantität der Nachwuchsproduktion 2016 ab. Jeder Fischjahrgang wird von den Wissenschaftlern immer zweimal, nach und vor dem Winter, gezählt. Belastbare Zahlen über den Laicherfolg in diesem Jahr berechnen die Wissenschaftler deshalb endgültig erst im April nächsten Jahres.

Keine leichte Aufgabe also für die EU-Minister, Quoten zu bestimmen, ohne zu wissen, ob es ein guter oder schlechter Jahrgang war. Dort liegt der Fehler im System. Und den haben sich die Minister selbst eingebrockt. Eigentlich soll die Quote nicht auf Basis der Stärke des jüngsten Jahrgangs festgelegt werden. Doch durch die kontinuierliche Überfischung des Dorschbestandes ist der Brotfisch unserer Fischer in eine bedrohliche Abwärtsspirale geraten. Künftig soll ein Ostseemanagementplan diese Kurzsichtigkeit verhindern. Jetzt haben die EU-Minister die Reißleine gezogen. Eigentlich viel zu spät.

Die zeitlich begrenzte Regulierung der Freizeitfischerei ist gut, damit können sicher auch viele Hobbyangler leben. Aber sie ist nicht mehr als eine Ergänzung, weil die Einschränkungen nicht zu kontrollieren sind und womöglich sogar Verwaltungsaufwand schaffen.

Aus Sicht der Berufsfischer gibt es allenfalls zwei Lichtblicke: Ihr Handwerk wird nicht völlig zum Erliegen kommen, in geringem Umfang lässt die Fangquote eine zielgerichtete Fischerei mit Dorsch als Beifang zu. Zudem hatten EU und Bundesregierung früh angekündigt, eine Abwrackprämie und etwa vier Millionen Euro bereitzustellen, um die Fischer durch das Krisenjahr 2017 zu führen. Das Landesfischereiministerium wies bereits am Dienstag darauf hin, dass Fischer bis zu 30 Tage im Jahr aufs Dorschfischen verzichten können und dafür Gelder als Ausgleich erhalten – bis zu dreimal pro Jahr zehn Tage am Stück. Ein erstes, wichtiges Zeichen, das Geld muss jetzt schnell bei den Fischern ankommen. Was bleibt, ist die Hoffnung, dass die Kombination der von den EU-Ministern beschlossenen Maßnahmen ausreicht, um die Dorschbestände zügig wieder aufzubauen. Restzweifel bleiben, alle Jahre wieder.

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Sven Hornung
Redakteur für besondere Aufgaben

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Halbierte Dorschfangquote
Foto: Die Netze von Randy Repenning aus Strande werden künftig weniger gefüllt sein. Berufsfischer können 2017 in der westlichen Ostsee nur noch 1194 Tonnen Dorsch fangen, im Osten 2820 Tonnen. Während der Laichzeit (Februar und März) dürfen sie statt sechs jetzt acht Wochen lang nicht auf Dorschfang gehen.

Die schleswig-holsteinischen Ostseefischer bangen wegen der Kürzung der EU-Dorschfang-Quote um 56 Prozent in ihren Fanggebieten um ihre Existenz. „Dieser Kompromiss ist nicht Fisch und nicht Fleisch“, sagte Benjamin Schmöde, stellvertretender Vorsitzende des Landesfischereiverbandes Schleswig-Holstein.

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