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Bodo Stade zum Anti-Terror-Einsatz

Leitartikel Bodo Stade zum Anti-Terror-Einsatz

Schleswig-Holsteins Innenminister Stefan Studt hat auch am Dienstag wieder davon gesprochen, von der „abstrakt hohen Gefährdungslage“, die hier im Norden herrsche, seitdem hoffnungslos verblendete Selbstmordattentäter in der ganzen Welt Anschläge verüben. Und doch ist seit Dienstag alles etwas anders.

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Bodo Stade zum Anti-Terror-Einsatz.

Quelle: Bodo Stade

Plötzlich klingt die Formulierung gar nicht mehr so abstrakt, sondern tatsächlich bedrohlich. Die Festnahme von drei mutmaßlichen Terroristen, die als angeblich hilfesuchende Flüchtlinge gekommen sind, aufgenommen wurden und mitten unter uns lebten, hat schlagartig deutlich gemacht, was wir unter dieser Gefährdungslage zu verstehen haben. Der Terror des „Islamischen Staates“, der vielen von uns immer noch sehr fern vorkommt, ist bis an unsere Haustür vorgerückt. Mit kühlem Kopf betrachtet war das erwartbar. So ganz kann man es aber nicht verhindern, dass einen gemischte Gefühle beschleichen.

Versuchen wir es mit den Fakten und der schlechten Nachricht zuerst. Großhansdorf, Ahrensburg, Reinfeld – die schleswig-holsteinischen Gemeinden beheimateten ganz offenbar gewaltbereite Schläfer, die möglicherweise nur auf den richtigen Zeitpunkt gewartet haben. Bewahrheiten sich die Informationen, so hatten die Männer einen Bezug zu den Attentätern, die auch für das Massaker in Paris im November 2015 verantwortlich waren. Das macht deutlich, wie ernst die Lage war und ist.

Die gute Nachricht: Die Sicherheitsbehörden haben alles richtig gemacht. Sie hatten die drei mutmaßlichen Islamisten seit Monaten im Visier und – hoffentlich – unter Kontrolle. Sie haben im besten Sinne Gefahrenabwehr betrieben. Die erfolgreiche Aktion im Morgengrauen beweist, dass es nicht einmal immer noch schärfere Gesetze und immer noch weitreichendere Befugnisse braucht. Unsere Gesellschaft ist wehrhaft genug, solange sie bereit ist, für ihre eigene Sicherheit die Polizei sachlich und personell so auszustatten, dass sie dem Terror entgegentreten kann.

Es bleibt die Unsicherheit. Die Festnahme mache ihr Angst, „weil alles nun so nah dran ist“, wird eine Rentnerin aus einer der Gemeinden zitiert. Man kann das nur allzu gut verstehen. Und muss zugleich höllisch aufpassen, dass jetzt nicht die Populisten Oberwasser bekommen. Dass sich unter den Zehntausenden, die aus Furcht vor dem Terror ihr Land verlassen haben und sich zu uns flüchteten, auch genau jene schummeln, die unendliches Leid verursachen, ist perfide und menschenverachtend. Es ist aber kein Grund, in Panik zu verfallen und alle Flüchtlinge unter Generalverdacht zu stellen. Menschen, die Hilfe suchen, diese Hilfe zu verwehren, verhindert ganz bestimmt keine Terroranschläge. Und wer meint, die Debatte jetzt weiter anheizen zu müssen, spielt nur den Islamisten in die Hände, die von Toleranz und Offenheit nichts halten. Sie setzen darauf, dass sich Misstrauen breit macht. Diesen Gefallen sollten wir ihnen nicht tun.

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Bodo Stade
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