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Christian Longardt zu den Einbruchszahlen

Leitartikel Christian Longardt zu den Einbruchszahlen

Im Wahlkampf geht es um einfache, um klare Botschaften. In Schleswig-Holstein wird demnächst gewählt, und mancher Politiker glaubt, dabei mit dem Thema Kriminalität einfach Punkte machen zu können. Tatsächlich treiben gerade die Einbrüche viele Menschen um, fast jeder kennt aus dem persönlichen Umfeld und aus der Nachbarschaft Geschichten, die Angst machen.

Die Landesregierung ist ergo bemüht, möglichst positive Nachrichten zu verbreiten; die Opposition, vor allem die CDU, malt die Situation dagegen in betont dunklen Farben. Dabei ist es wie so oft im Leben: Bei genauerem Hinsehen sind die Dinge ein wenig komplexer.

 Innenminister Stefan Studt hat den Rückgang der Einbrüche um fast neun Prozent als klare Trendwende verkauft, und niemand kann bestreiten, dass die Polizei beachtliche Erfolge erzielt hat. In und um Kiel steigt bisweilen sogar ein Hubschrauber auf, um böse Buben am Boden aufzuspüren – mehr Einsatz geht kaum. In der Landeshauptstadt hat man die Zahl der Fälle um gut 300 reduziert. Gute Arbeit! Alles in allem zeigt die Entwicklung in die richtige Richtung. Aber eine Trendwende? In Wahrheit ist Schleswig-Holstein insgesamt nur vom traurigen Rekordwert ein Stück weit nach unten gerutscht, hat aber noch nicht einmal wieder das Niveau von 2014 erreicht. So toll ist das nicht.

 Die Christdemokraten meinen nun, sie könnten allein Innenminister Stefan Studt zur Rechenschaft ziehen. CDU-Innenexperte Axel Bernstein rügt, die jetzige Koalition habe den Anstieg der Einbruchskriminalität viel zu lange ignoriert. Hätte er doch einen Blick auf die Zehn-Jahre-Entwicklung geworfen. 2006 war für die SPD Ralf Stegner Innenminister, dann Lothar Hay, 2009 dann Klaus Schlie (CDU). In all den Jahren kannte die Kurve nur eine Richtung: nach oben. Parteipolitisch lässt sich daraus wenig Honig saugen. Vielmehr könnten Statistik-Freaks der SPD darauf verweisen, dass ab 2012 unter Führung zweier Genossen (erst Andreas Breitner, dann Stefan Studt) eine gewisse Stabilisierung eintrat – wenngleich auf hohem Niveau. Den Ausreißer von 2015 hat die Polizei einigermaßen ausgebügelt. So weit die Statistik..

 Wer aber selbst einmal erlebt hat, wie es sich anfühlt, wenn die Terrassentür plötzlich offen steht, wenn die Schubladen durchwühlt und persönlichster Besitz gestohlen wurde, wenn Unbekannte bis ins Schlafzimmer vorgedrungen sind, der vergisst das nicht. Der will, dass das nie wieder geschieht, der investiert in Sicherungssysteme. Und der wünscht sich, dass die Politiker im Schulterschluss mit der Polizei alles dafür tun, solche Täter dingfest zu machen.

 Und da stößt dieses subjektive Gefühl auf objektiv traurige Zahlen. Die Wahrscheinlichkeit, hier im Norden Opfer von Einbrechern zu werden, ist höher als in den meisten anderen Flächenländern. Und die Aufklärungsquote ist leider niedrig. Ob der künftige Innenminister also von den Roten oder den Schwarzen kommen wird: Es bleibt für ihn viel zu tun.

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