12 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Christian Longardt zu der Wahlumfrage

Leitartikel Christian Longardt zu der Wahlumfrage

Haben Sie am 7. Mai 2017 schon etwas Nettes vor? Halten Sie sich den Sonntag besser frei, sie könnten sonst einen neuen Polit-Krimi an der Kieler Förde verpassen.

Voriger Artikel
Michael Kluth zum Dortmund-Liverpool-Spiel
Nächster Artikel
Ulf B. Christen zu Ingbert Liebing

Christian Longardt zu der Wahlumfrage.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Ein Jahr vor der Landtagswahl, bei der Albigs Regierung auf Bestätigung hofft, ist die Lage noch ziemlich unübersichtlich. Die Flüchtlingskrise hat auch in Schleswig-Holstein tiefe Spuren hinterlassen – laut Umfrage von KN und LN ist sie mit Abstand das wichtigste Thema, und die Stimmung der Wähler zeigt in ganz ähnliche Richtung wie in den drei Bundesländern, die im März ein politisches Erdbeben erschütterte.

Die beiden einst so stolzen Volksparteien haben auch im Norden immer größere Mühe, diesen Namen noch zu rechtfertigen. Wären jetzt Wahlen, gäbe es für beide gerade noch 28 Prozent – das ist zwar nicht viel weniger als 2012. Damals aber lag die CDU schon auf einem Allzeit-Tief, die SPD war mit ihren 30 Prozent kaum glücklicher (Minusrekord: 2009 mit 25 Prozent und Spitzenkandidat Ralf Stegner).

Man erinnert sich: 2012 reichte es nur dank des von der Fünf-Prozent-Hürde ausgenommenen SSW zur umstrittenen Dreierkoalition, die bis heute mit nur einer Stimme Mehrheit regiert. Und 2017? Es könnte wieder extrem eng werden. Wer mit wem, ist völlig offen – ganz neue Farbenspiele eingeschlossen. Uneingeschränkten Grund zur Freude haben derzeit nur die Kleinen. Kubickis FDP macht den Eindruck, als hätte sie sieben Leben. Und die Grünen profitieren nicht nur kräftig vom Kretschmann-Trend, sie haben mit Robert Habeck hier oben selbst einen herausragenden Vertreter. Ausgerechnet der will nun weg nach Berlin, das ist für die Nord-Grünen keine gute Perspektive.

Nimmt man die neuen Zahlen, dann würde es für Rot-Grün wieder nicht reichen, für Rot-Schwarz oder Schwarz-Rot aber allemal. Torsten Albig mag sich freuen, dass seine Beliebtheit wieder steigt – Anlass zum Jubeln gibt es trotzdem nicht. Der designierte Herausforderer Ingbert Liebing hat zwar vernichtend schwache Zustimmungswerte – doch auch mit (oder besser: trotz) Liebing liegt die CDU mit der SPD auf gleicher Höhe. Nicht auszudenken, was für die Union alles möglich wäre, hätte sie einen überzeugenderen Kandidaten.

Dass Albig von seinem Volke ganz ordentliche Noten bekommt, liegt an seiner ausgleichenden Art, seiner Fähigkeit, das Land mit präsidialem Gestus, pastoraler Rhetorik und großem Selbstbewusstsein zu repräsentieren. Aber mal ehrlich: Wer erinnert sich an irgendeinen maßgeblichen landespolitischen Impuls des MP? Der fatale öffentliche Eindruck: Albig lässt regieren, er regiert nicht; er steht als Käpt’n nicht auf der Brücke, wo er hingehört, sondern spaziert auf dem Sonnendeck herum. Mehr Präsident als Ministerpräsident. Das reicht nur, weil die CDU so schwachbrüstig daher kommt.

Die AfD liegt aktuell bei neun Prozent. Immerhin nicht zweistellig, das könnte man schon als Anfang vom Ende des Booms missdeuten. Doch Vorsicht: Wie sich die Flüchtlingslage bis 2017 entwickelt, das weiß selbst Forsa nicht.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Christian Longardt
Chefredakteur

Mehr zum Artikel
KN/LN-Wahlumfrage
Foto: Forsa-Umfrage ein Jahr vor der Wahl: Der schleswig-holsteinische Landtag würde sich nach den Ergebnissen ganz anders zusammensetzen.

Ein Jahr vor der schleswig-holsteinischen Landtagswahl liegen die regierende SPD von Ministerpräsident Torsten Albig und die oppositionelle CDU in der Wählergunst gleichauf. Das ergab eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag von Kieler Nachrichten und Lübecker Nachrichten.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus KN-Kommentare 2/3