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Christian Longardt zur Ostsee

Leitartikel Christian Longardt zur Ostsee

Das nennt man wohl einen Marketing-Coup. Die Meldung vom ersten Schlaf-Strandkorb an der Ostsee verbreitete sich in Windeseile bis in den letzten Winkel der Republik. Originelle und allerbeste Werbung für die Bäder von Eckernförde bis Weissenhäuser Strand. Dazu kam wie bestellt ein traumhaftes Wochenend-Wetter, das Zigtausende an die Küste zog. Mehr geht nicht.

Die positiven Botschaften taten gut nach den Schlagzeilen der vergangenen Woche und der schockierenden Erkenntnis für die Fischer, dass sie wohl im kommenden Jahr nur noch geringe Mengen ihres Brotfischs Dorsch fangen dürfen. Oder gar überhaupt keinen mehr, wie Kieler Meeresforscher empfehlen, weil die Bestände zu kollabieren drohen.

Heute nun die Meldung, dass der Export schleswig-holsteinischer Produkte in die Ostsee-Anrainerstaaten, großenteils über den Seeweg, trotz der Russland-Krise insgesamt gut läuft – ein Beleg für Kraft und Qualität der hiesigen Unternehmen.

Die Ostsee, sie hat so viele Facetten: Marine und Meereskunde, Ökologie und Fischfang, Tourismus und Schifffahrt, Offshore und Handel. Alles regional bedeutsam, aber eben auch von nationalem Interesse, sodass es einer angemessenen Unterstützung aus Berlin bedürfte.

Um die Jahrtausendwende hat der damalige Kanzler Gerhard Schröder das Amt des Maritimen Koordinators der Bundesregierung geschaffen, im Prinzip eine gute Idee. Bisherige Amtsinhaber kamen aus Hessen, Nordrhein-Westfalen und Bayern, das sagt schon viel über die Bedeutung, die dem Thema in Berlin tatsächlich beigemessen wurde. Derzeit ist mit Uwe Beckmeyer ein Bremer am Ruder, immerhin also von der Küste. Seither ist tatsächlich so einiges in Gang gekommen, was jahrelang klemmte. Die maroden Schleusen werden mit hohem Aufwand saniert, und endlich ist auch Geld für den Ausbau des Nord-Ostsee-Kanals bewilligt – aber wie lange hat man darum kämpfen müssen?

Anklopfen, erklären und um Hilfe bitten muss Schleswig-Holstein seit Jahr und Tag bei CSU-Verkehrsministern. Das ist beschwerlich, denn vom Denken und Fühlen des Küstenmenschen sind die Bayern so weit entfernt wie Westerland vom Watzmann. Kein Wunder, dass sich in Schleswig-Holstein der Eindruck verfestigt hat, dass in den Berliner Regierungsstuben nie wirklich begriffen worden ist, welche Bedeutung die maritime Wirtschaft, deren Unternehmen im beinharten internationalen Wettbewerb stehen, für das Wohlergehen der gesamten Republik in Wahrheit hat. Wenn es für den Norden eng wird, hilft dann manchmal nur ein Appell an die Kanzlerin höchstselbst. Die hat ihren Wahlkreis bekanntlich an der Ostsee.

Vielleicht sollte Angela Merkel ihren Verkehrsminister einfach öfter an unser Meer einladen. Gern nach Schleswig-Holstein, auch gern mit Übernachtung. Es muss ja nicht im Strandkorb sein.

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Christian Longardt
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