25 ° / 16 ° Regenschauer

Navigation:
Jürgen Küppers zur Innenstadt Kiel

Leitartikel Jürgen Küppers zur Innenstadt Kiel

Geschäftlich gesehen, herrscht in weiten Teilen der Kieler Innenstadt Stillstand. Das „Vitalisierungskonzept“ im Nordlicht-Geschäftshaus in der Holstenstraße verstaubt in den Schubladen. Zudem stehen Ladenlokale in der City leer oder Geschäftshäuser zum Verkauf.

Voriger Artikel
Ulrich Metschies zum HSH-Deal
Nächster Artikel
Konrad Bockemühl zur Elbphilharmonie

Jürgen Küppers.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Umsätze gehen zurück und damit auch die Mieten. Die vielen Daten der Hamburger Gewerbeimmobilien-Analysten liefern in ihrem Kiel-Report 2016 starke Indizien für diesen Negativtrend. Ist doch überall so in den Fußgängerzonen deutscher Großstädte, könnte man hier einwenden und Klagelieder anstimmen über das Sortiments-Einerlei großer Filialisten. Über fehlende (kostenlose) Parkmöglichkeiten in der City, wachsende Konkurrenz auf der „Grünen Wiese“ oder boomenden Internethandel, der realen Händlern die Umsätze raubt. In der Tat: All diese Faktoren machen es Kieler Kaufleuten schwer. Aber ausgerechnet in Kiel müsste das nicht zu so einem Stillstand führen.

 Denn städtebaulich betrachtet ist die Innenstadt eine solche Boom-Zone, wie es sie in deutschen Großstädten kaum noch gibt. Woanders fehlen solche freien Flächen in Top-Lagen, um dort noch Wohnungen, Hotels, Geschäftshäuser oder gar einen Kiel-Kanal zur Steigerung innerstädtischer Aufenthaltsqualität zu bauen. In Kiel geht das noch. In ein paar Jahren ist der Kanal ebenso fertig wie das Schlossquartier. Das Bootshafen-Areal dürfte nicht wiederzuerkennen sein, wenn dort alle Neubauten fertig und hässliche Klötze wie der ehemalige C&A-Komplex verschwunden sein werden.

 In absehbarer Zeit mehr Wohnungen, mehr Menschen, mehr Leben, mehr moderne Gebäude, mehr Atmosphäre in Kiels guter Stube: Solche glänzenden Aussichten auf gute Geschäfte in dann belebterer Top-Lage müssten doch eigentlich schon jetzt weitsichtige Investoren in Scharen anlocken. Aber sie halten sich noch zurück. Und das hat gute Gründe.

 Denn was der Kieler Innenstadt in den kommenden drei bis vier Jahren bevorsteht, gleicht einer Operation am offenen Herzen. Durch die ganzen Baustellen, durch Lärm, Verkehrsumleitungen und damit einhergehender „Ausgrenzung“ der Kunden droht der City ein Infarkt. Den Innenstadt-Kaufleuten steht eine jahrelange Durststrecke bevor, deren Ausmaß sich jetzt noch gar nicht absehen lässt. Das wissen natürlich auch Investoren, Kaufleute oder Vorstände von Filialisten auf ihrer Suche nach neuen Standorten. Deshalb heißt ihre Devise: unwägbare Risiken vermeiden, abwarten. Die zögerliche Haltung ist sogar verständlich. Denn schon oft folgten großen Ankündigungen großer Pläne nur kleine oder gar keine Taten. Insofern erleben wir jetzt gerade den Anfang einer krisenhaften Zeit, in der das Alte noch nicht verschwunden, das Neue aber noch nicht erkennbar ist. Hier trägt auch die Kieler Stadtverwaltung künftig ein großes Stück Mitverantwortung dafür, durch umsichtige Planung die Behinderungen für Innenstadt-Kaufleute und -Kunden einigermaßen erträglich zu halten.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

Veranstaltung in...

Aktuelle
Veranstaltungen
und Tagestipps!

Gewinnspiele

Kostenlos mitmachen
und mit etwas Glück
jetzt gewinnen!

Anzeige
Mehr zum Artikel
Innenstadt
Foto: Sorgenkind Holstenstraße: Obwohl die Verkaufsfläche stieg, sank im vergangenen Jahr der Umsatz um acht Millionen Euro.

Der Einzelhandel in der Kieler Innenstadt gerät immer stärker unter Druck. Das zeigen Daten des neuen Kiel-Städtereports 2016 der Hamburger Immobilien-Unternehmensgruppe Comfort: Danach gingen die Umsätze von Kaufleuten zurück, so wie auch die Mieten selbst in 1a-Lagen wie der Holstenstraße.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus KN-Kommentare 2/3